Warum Männer beim Marathon häufiger einbrechen und was hilft
Männer erleiden häufiger Leistungseinbruch beim Marathon

Er dürfte zu den Dingen gehören, vor denen Marathonläufer am meisten Respekt haben: der berüchtigte Mann mit dem Hammer. Ihm zu begegnen, will man unbedingt vermeiden. Denn dieser Mann mit dem Hammer steht sinnbildlich für einen starken, plötzlichen Leistungseinbruch in der zweiten Hälfte des Marathons. Wenn man ihn trifft, bedeutet das auch: Die letzten Kilometer werden lang und hart und nur noch wenig mit Spaß zu tun haben. Das Einzige, was einen dann noch trösten kann, ist der Gedanke daran, dass man nicht alleine, sondern mit Tausenden anderen gemeinsam leidet – vor allem als Mann.

Studie zum Berlin-Marathon: Männer häufiger betroffen

Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die sich genau mit diesem Phänomen beim Berlin-Marathon befasst. Dazu wurden Läuferdaten aus den Jahren 1999 bis 2025 ausgewertet. Insgesamt haben die Wissenschaftler mehr als 850.000 Laufzeiten für die 42-Kilometer-Strecke in ihre Untersuchung einbezogen.

Das Ergebnis: Im Schnitt waren die Männer zwar schneller (Zielzeit: 4 Stunden und 2 Minuten) als die Frauen (4 Stunden und 29 Minuten). Aber: Die Männer erlebten fast doppelt so häufig einen Leistungseinbruch in der zweiten Hälfte, nämlich knapp 18 Prozent von ihnen. Bei den Frauen waren es unter zehn Prozent. Als Leistungseinbruch wurde es gewertet, wenn das Tempo im zweiten Teil des Rennens mindestens 20 Prozent langsamer war als im ersten. Ähnliche Ergebnisse hat es demnach schon bei Untersuchungen von Marathons in den USA gegeben.

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Ursachen: Stoffwechsel und Psychologie

Interessant sind auch die Erklärungen dafür: Zum einen wird der Stoffwechsel aufgeführt. Die Forscher geben an, dass der weibliche Körper beim Laufen seinen Glykogenvorrat, der als kurzfristiger Energiespeicher dient, schonender verbraucht. Dazu kommen Unterschiede bei den Muskelfasern, die dazu führen könnten, dass sich der Zeitpunkt, an dem es zum Leistungseinbruch kommt, verzögert. Neben physiologischen Faktoren spielt aber auch die Psychologie eine Rolle.

In der aktuellen Studie wurden zwar keine Daten dazu erhoben, die Wissenschaftler verweisen aber auf die Verhaltensforschung. Männer neigten demzufolge eher dazu, sich zu überschätzen und risikobereiter zu sein. Bezogen auf einen Marathon heißt das: Männer verfolgen oft eine aggressivere Rennstrategie als Frauen. Sie starten schneller – werden aber dafür auch öfter auf den letzten zehn Kilometern damit bestraft, dass ihnen die Kraft ausgeht.

Praktische Tipps: Defensiv starten und Verpflegungsplan einhalten

Ich bin in die aktuelle Studie zumindest mit einem Ergebnis eingeflossen. Und habe zumindest ein wenig zur Erfolgsquote der Frauen beigetragen. Als ich 2024 mitgelaufen bin, war meine zweite Hälfte schneller als die erste. So war es auch in diesem Jahr beim Hamburg-Marathon. Abgesehen vom (Kraft-)Training im Vorfeld setzt das voraus, etwas defensiver zu starten. Wenn ich ein Zeitziel verfolge, dann laufe ich die ersten Kilometer maximal so schnell, wie es dafür erforderlich ist. Und ich nehme auch in Kauf, zunächst von mehr Läufern überholt zu werden, als ich selbst überhole.

Dazu kommt, dass ich mich strikt an meinen Verpflegungsplan halte: Alle sechs Kilometer gibt es ein Energiegel, ob ich nun gerade Lust darauf habe oder nicht. Das hilft mir nicht nur, einen leeren Kohlenhydratspeicher zu verhindern, es hilft mir auch mental. Weil ich mir so den Marathon in viele kleine Abschnitte unterteilen kann. Ich denke dann nicht daran, wie viele Kilometer es noch bis zum Ziel sind, sondern nur daran, in wie vielen Kilometern es Zeit fürs nächste Gel ist.

Mentale Strategien: Ablenkung und Fokus auf die Umgebung

Und je weiter ich laufe, desto weniger versuche ich überhaupt zu denken. Nicht daran, dass die Beine schwerer werden (was sie trotz gemäßigtem Anfangstempo tun), und auch nicht daran, dass nach zwei Stunden Laufen immer noch mehr als zwei weitere vor mir liegen. Stattdessen konzentriere ich mich auf alles, was um mich herum passiert. Die anderen Läufer, die Zuschauer, die Plakate. Das sind die Dinge, an die ich mich erinnern möchte. Denn so endlos einem ein Marathon zwischenzeitlich auch vorkommen mag – am Ende ist er dann doch erstaunlich schnell vorbei.

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