Jule Niemeier (26) erlebt den brutalsten Absturz ihrer Karriere. Die einstige Wimbledon-Heldin, die vor vier Jahren sensationell im Viertelfinale stand, ist in der Weltrangliste um 505 Plätze auf Rang 566 gefallen. Bei den „MSC Hamburg Ladies Open“ am Rothenbaum schied sie in der ersten Runde aus – auf dem windigen Außenplatz M1 unterlag sie der Qualifikantin Maria Lourdes Carle (26/Argentinien) mit 5:7, 2:6. Nach einem Doppelfehler zum Matchverlust packte sie schweigend ihre Sachen.
Vom Viertelfinale in Wimbledon zum Außenseiter-Dasein
Vor vier Jahren war Niemeier die deutsche Nummer eins. Bei ihrem zweiten Grand-Slam-Turnier überraschte sie die Tenniswelt mit dem Einzug ins Viertelfinale von Wimbledon, wo sie im deutschen Duell gegen Tatjana Maria (38) mit 6:4, 2:6, 5:7 verlor. Im Spätsommer folgte das Achtelfinale bei den US Open. Ihr Karrierehoch erreichte sie mit Platz 61 der Weltrangliste. Doch dann folgte der Absturz: Ein Jahr lang stand sie in keinem Hauptfeld eines WTA-Turniers mehr. In Hamburg benötigte sie eine Wildcard von Turnier-Direktorin Sandra Reichel, um überhaupt in der Qualifikation antreten zu können. Mit zwei Siegen schaffte sie den Sprung ins Hauptfeld – zum ersten Mal seit einem Jahr.
Stoffwechselerkrankung und persönliche Rückschläge
„Im letzten Jahr ist viel passiert“, sagt Niemeier. „Wir sind an dem Punkt angekommen, wo wir so langsam mehrere Dinge verstanden haben und zusammenkommen und wir Lösungen gefunden haben.“ Welche Dinge das waren, lässt sie offen: „Ich will da gar nicht so sehr ins Detail gehen.“ Bereits im November 2025 hatte sie per Social Media eine Stoffwechselerkrankung öffentlich gemacht. 2025 sei für sie „das bei weitem herausforderndste Jahr für mich als Person und Tennisspielerin gewesen“. „Ein Teil der Reise ist für mich, mit einer Stoffwechselstörung umzugehen, was für mich eine sehr persönliche Angelegenheit ist. Es lehrt mich eine Menge über Geduld und Balance.“ Doch es gab weitere Faktoren: „Es gibt noch ein paar Dinge, die vorgefallen sind, die nicht spurlos an mir vorbeigegangen sind. Aber die wir gut aufgearbeitet haben.“
Neuer Trainer und Perspektive
Nach mehreren Trainerwechseln trainiert Niemeier nun am Stützpunkt in München. Um den Kopf freizubekommen, schaut sie Fußball und pflegt Freundschaften mit den Bayern-Spielerinnen Franziska Kett (21) und Klara Bühl (25). Seit drei Wochen arbeitet sie mit dem Hamburger Trainer George von Massow zusammen. „Wir sind ein super Team. Es macht extrem viel Spaß“, sagt Niemeier. „Das zeigt sich jetzt auch einfach auf dem Platz. Dass ich mich wohler fühle und sich bestimmte Dinge beruhigt haben. Das freut mich natürlich, weil wir die letzten Wochen gut und viel trainiert und nie aufgegeben haben. Und ich fühle mich bereit anzugreifen und gutes Tennis zu zeigen.“ Die Niederlage gegen Carle wertet sie als kleinen Rückschlag: „Es ist ein Prozess, die Dinge zusammenzubringen. Und gerade im spielerischen Bereich wieder meine Sachen zu machen, mich wohler zu fühlen und in das offensivere Spiel reinzukommen. Für die nächsten Wochen ist erst mal wichtig, dass ich wieder Konstanz ins Spiel bekomme.“



