Schiedsrichter Anthony Taylor (47) beendet seine Karriere. Nach 831 Spielen hängt der Engländer die Pfeife an den Nagel. Dies gab er am Dienstag bekannt. Bei der kürzlich zu Ende gegangenen Weltmeisterschaft kam er in drei Spielen zum Einsatz.
Statement zum Rücktritt
„Auf Spitzenniveau zu pfeifen, war ein riesiges Privileg, doch der Druck ist enorm und man steht ständig unter Beobachtung. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um zurückzutreten und mich auf das nächste Kapitel meiner Karriere zu freuen“, erklärte er in einem Statement zu seinem Rücktritt.
Taylor war seit 2010 in der Premier League tätig, stand seit 2012 auf der Fifa-Liste. In der höchsten englischen Spielklasse leitete er über 430 Spiele, wurde vor allem bei brisanten Derbys eingesetzt. Bei der WM 2022 galt er als Kandidat für das Endspiel, doch aufgrund der politischen Spannungen zwischen England und Argentinien kam er nicht zum Einsatz. Sein letztes Spiel war bei der WM das 1:0 von Spanien über Portugal im Achtelfinale.
Lob von Howard Webb
Howard Webb, Leiter des Schiedsrichterwesens bei Pro Ref, sagte: „Anthony hat dem Fußball über viele Jahre hinweg großartige Dienste geleistet – sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Ihm wurde immer wieder das Vertrauen ausgesprochen, die größten Spiele zu leiten. Wir danken ihm für seinen enormen Beitrag zum Sport und wünschen ihm viel Erfolg für das nächste Kapitel seiner Karriere.“ Vor seiner Karriere als Profi-Schiedsrichter war er als Gefängnisbeamter tätig.
Umstrittenes Cucurella-Handspiel
Deutsche Fußball-Fans werden Taylor in keiner guten Erinnerung behalten. Bei der Heim-Europameisterschaft 2024 pfiff er das Viertelfinale zwischen Deutschland und Spanien. Dabei übersah er trotz perfekter Sicht ein Handspiel des Spaniers Marc Cucurella, nutzte aber auch nicht den VAR. Dafür erntete er viel Kritik – nicht nur aus Deutschland.
Dramatisches Eriksen-Spiel
Das dramatischste Spiel seiner Karriere ereignete sich drei Jahre zuvor. Im Gruppenspiel der Europameisterschaft zwischen Dänemark und Finnland erlitt der Däne Christian Eriksen einen Herzstillstand und musste noch auf dem Platz reanimiert werden. Taylor erhielt damals viel Lob für seine Besonnenheit in dieser schwierigen Situation und sein schnelles Handeln. Das Spiel wurde nach zweistündiger Unterbrechung fortgesetzt.



