Argentinien vs. England: Die politischste Rivalität im Fußball
Argentinien vs. England: Die politischste Fußball-Rivalität

Am Mittwoch treffen Argentinien und England im WM-Halbfinale in Atlanta aufeinander. Es ist das erste Aufeinandertreffen beider Teams mit Lionel Messi. Die Rivalität der beiden Nationen ist geprägt von politischer Brisanz und legendären Duellen.

1966: Der Beginn der Feindschaft

Die gepflegte Feindschaft begann am 23. Juli 1966 im Viertelfinale der WM in Wembley. Argentiniens Kapitän Antonio Rattín, der erst am vergangenen Samstag verstarb, geriet mit dem deutschen Schiedsrichter Rudolf Kreitlein aneinander. Nach zwei verbalen Verwarnungen verwies Kreitlein Rattín des Feldes. Dieser weigerte sich zu gehen, das Spiel stand fast zehn Minuten still. Die FIFA führte daraufhin Gelbe und Rote Karten ein. Beim Abgang zerknüllte Rattín eine englische Fahne. England gewann 1:0, und Trainer Alf Ramsey hinderte seine Spieler am Trikottausch und bezeichnete die Argentinier als „Tiere“. In Argentinien wurde dies als koloniale Verachtung aufgefasst.

1982: Krieg und Fußball

Im April 1982 besetzte die argentinische Militärjunta die Falklandinseln. Großbritannien schickte seine Streitmacht und eroberte die Inseln zurück. Premierministerin Margaret Thatcher gewann an Zuspruch, während Argentinien nach der Diktatur zur Demokratie zurückkehrte. Auch im Fußball waren die Auswirkungen spürbar: Osvaldo Ardiles, argentinischer Weltmeister von 1978 und Spieler von Tottenham, wurde nach der Invasion bei jedem Ballkontakt ausgebuht. Er flog nach Buenos Aires und ließ sich nach Paris verleihen. Ein Cousin von Ardiles kam als Pilot im Krieg ums Leben.

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1986: Maradonas Rache

Am 22. Juni 1986 im Viertelfinale der WM in Mexiko-Stadt nahm Diego Maradona mit zwei legendären Toren Rache. Mit der „Hand Gottes“ erzielte er das erste Tor, sein Solo wurde später zum Jahrhundert-Tor gekürt. Argentinien siegte 2:1 und wurde Weltmeister. Maradona sagte später: „Es war, als hätte man ein ganzes Land besiegt. Obwohl wir vor dem Spiel gesagt hatten, Fußball habe nichts mit dem Krieg zu tun, wussten wir, dass dort viele argentinische Jungs gestorben waren. Das war Rache.“ Erst vor drei Wochen schlug Torhüter Peter Shilton versöhnliche Töne an.

1998: Beckhams Albtraum

Das Achtelfinale der WM 1998 am 30. Juni war eine Zäsur für David Beckham. Der 18-jährige Michael Owen erzielte ein Traumtor, Beckham trat nach einem Foul von Diego Simeone nach und sah die Rote Karte. England verlor im Elfmeterschießen. Beckham erlitt eine depressive Phase, vor einem Pub wurde eine Puppe von ihm erhängt. Der „Daily Mirror“ titelte: „Zehn heldenhafte Löwen, ein dummer Junge.“ Es war die größte Hasskampagne gegen einen englischen Nationalspieler.

2002: Beckhams Erlösung

Vier Jahre später im Gruppenspiel der WM 2002 in Sapporo bekam England einen Elfmeter zugesprochen. Kapitän Beckham trat an und verwandelte eiskalt zum 1:0-Sieg. Argentinien schied bereits nach der Gruppenphase aus.

2012: Agüeros Jahrhunderttor

Die Rivalität zeigt auch ihre skurrile Seite: In der Premier League werden argentinische Spieler von den Fans geliebt. Sergio Agüero schoss am 3. Mai 2012 das wohl berühmteste Tor der Premier-League-Geschichte. In der 93. Minute und 20. Sekunde traf er zum 3:2 für Manchester City gegen Queens Park Rangers und sicherte City die Meisterschaft. Kommentator Martin Tyler rief: „Agüeroooooo! Ich schwöre, Sie werden so etwas nie wieder sehen.“

Die Ironie der Rivalität: Britische Einwanderer brachten den Fußball nach Argentinien. Messis Jugendverein Newell's Old Boys ist nach dem Engländer Isaac Newell benannt. Der schottische Lehrer Alexander Watson Hutton gründete 1893 den argentinischen Verband und gilt als Vater des argentinischen Fußballs.

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