Leerer Gästeblock beim Klassiker: Bayern-Ultras boykottieren nach Polizeieinsatz
Die Südtribüne des Signal-Iduna-Parks brannte zwar mit Pyro und dem Giga-Schriftzug "Heja BVB", doch der vordere Teil des Gästeblocks blieb beim Topspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern auffällig leer. Keine Banner, keine Trommeln, nur leiser Fangesang – die Ultras des Rekordmeisters fehlten im Innenraum. Grund war ein massiver Polizeieinsatz vor dem Spiel, bei dem es nach Angaben der Fans zu zahlreichen Verletzungen kam.
Eskalation vor dem Gästeblock: Schlagstöcke und Pfefferspray im Einsatz
Laut Polizeiangaben versuchte eine 29-köpfige Gruppe von Bayern-Fans, sich mit nicht regulären Tickets in den Gästeblock zu schleusen. Nach körperlichen Angriffen auf Mitarbeiter des BVB-Ordnungsdienstes griffen Einsatzkräfte ein. Die Situation eskalierte, als sich andere Fans aus Solidarität mit den Festgehaltenen zeigten. Beamte setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein.
Die Südkurve des FC Bayern verurteilte den Einsatz in einer scharfen Mitteilung: "Neben Knochenbrüchen und Gesichtsverletzungen mussten vor allem schwere Reizungen der Augen und Atemwege attestiert werden." Die Ultras verglichen die Vorfälle mit Übergriffen in Madrid oder Athen und kritisierten die Quantität und Intensität der Polizeigewalt.
Boykott und Solidarität: Leerer Block und Banneraktionen
Aus Protest blieben rund 500 Bayern-Anhänger vor dem Eingang des Gästeblocks. Im Stadion zeigten sich sowohl die verbliebenen Bayern-Fans als auch die Dortmunder Ultras solidarisch. Die BVB-Ultras hissten ein Banner mit der Aufschrift "Freiheit für Gästefans in Dortmund!", während Bayern-Anhänger den Schriftzug "Freiheit für Fußballfans" entrollten.
Selbst Spieler wie Jamal Musiala zeigten sich betroffen. In der 30. Minute versuchte er, die wenigen anwesenden Fans zu mehr Stimmung zu animieren, nachdem er am Zaun über die Hintergründe aufgeklärt worden war.
Weitere Vorfälle am Klassiker-Wochenende
Die Spannungen setzten sich auch nach dem Spiel fort. Als ein Beamter einen mutmaßlich an früheren Angriffen beteiligten Fan unter der Tribüne wiedererkannte, kam es erneut zu Gewalt und zum Einsatz von Pfefferspray. Bereits in der Nacht zuvor hatten rund 250 Bayern-Fans am Pasinger Bahnhof gewartet und dabei Graffiti-Tags und Aufkleber angebracht, nachdem ihr Sonderzug nach Dortmund Verspätung hatte.
Die Polizei Dortmund leitete gegen die 29 Fans ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch ein. Der Vorfall wirft erneut Fragen zum Umgang mit Fußballfans und der Polizeipraxis bei Großveranstaltungen auf.



