Berlin auf dem Weg zur Frauenfußball-Hochburg? Experten diskutieren Herausforderungen
Berlin als Frauenfußball-Hochburg? Experten diskutieren

Berliner Vereine im Frauenfußball auf dem Vormarsch

Die vierte und letzte Tagesspiegel-WM-Tribüne am Dienstag, moderiert von Felicia Mutterer (Geschäftsführerin FC Viktoria Berlin) und Inga Hofmann (Sportchefin im Tagesspiegel), widmete sich dem Frauenfußball in Berlin. Jennifer Zietz (Geschäftsführerin des Frauen-Profifußballs beim 1. FC Union Berlin), Isabelle Knipp (Sportdirektorin FC Viktoria Berlin) und Charlotte Bruch (Tagesspiegel-Sportredakteurin) diskutierten, was sich ändern muss, um national und international mithalten zu können.

Einigkeit herrschte auf dem Panel: Berlin ist auf dem besten Weg, zur Hochburg des Frauenfußballs zu werden. Der FC Viktoria Berlin und Hertha BSC spielen in der zweiten Bundesliga, Union Berlin sogar in der ersten Liga mit Ambitionen auf die Champions League.

Positive Entwicklung und gleiche Wertschätzung

„Das ist eine sehr positive Entwicklung“, freute sich Jennifer Zietz. Ihr Verein zeige, wie die Förderung von Frauenfußball gelingen könne. „Union zeichnet die Leidenschaft aus, den Frauenfußball immer mitzudenken und zielstrebig zu sein. Unsere Spielerinnen erfahren die gleiche Wertschätzung wie die Männer. Da macht der Verein keinen Unterschied“, sagte Zietz und erntete viel Applaus vom Publikum.

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Sie erklärte, dass ihr Team nach dem Aufstieg in die erste Liga personell aufgestockt worden sei, um den Spielerinnen professionelle Bedingungen zu bieten. „Angelehnt an den Männerfußball hat sich in den letzten fünf bis sechs Jahren einiges entwickelt“, pflichtete Isabelle Knipp von Viktoria bei. „Es tut uns gut, dass die Bereitschaft von Sponsoringseite wächst, den Frauenfußball nach vorn zu bringen. So können die Bedingungen ein Stück weit angepasst werden.“

Mangel an geeigneten Sportstätten

Doch in Deutschland gebe es zu wenig Sportstätten für Frauenfußball, die obendrein in schlechtem Zustand seien. Dies betreffe vor allem die Nachwuchsförderung, aber auch einige Profiteams würden unter schlechten Trainingsbedingungen leiden. So trainiere das Frauenteam vom 1. FC Sankt Pauli nur auf einem halben Platz, erzählte Journalistin Charlotte Bruch, was ein Hindernis für den sportlichen Erfolg darstelle.

„Das Leistungsniveau verlangt mittlerweile, dass wir ein sehr professionelles Setting schaffen“, meinte Knipp. Und Zietz ergänzte: „Der Frauenfußball hat sich unglaublich schnell weiterentwickelt. Da werden an die Vereine immens hohe Anforderungen gestellt.“ So gibt es genaue Vorgaben von der Bundesliga, die ein Verein zu erfüllen hat, um spielberechtigt zu sein.

Weitere Faktoren für Professionalisierung

Die Faktoren für eine Professionalisierung der Frauenmannschaften beschränken sich jedoch nicht nur auf geeignete Trainingsorte. Die Spielerinnen müssten mit Verträgen ausgestattet werden, um finanziell unabhängig zu sein, und es brauche gut ausgebildete Trainer sowie eine professionelle Betreuung, vor allem medizinischer Art, zählte Knipp auf. Viele Profispielerinnen in Deutschland hätten noch nicht mal einen Versicherungsschutz im Verletzungsfall, sagte Zietz. „Das ist leider immer noch nicht normal.“

Abstand zur Weltspitze

Zwar sei Deutschland ein Zugpferd im Frauenfußball. „Aber es besteht ein Abstand zur Weltspitze, also zu Spanien und Frankreich“, erläuterte Bruch. Dies liege vor allem an den fehlenden Strukturen der Nachwuchsförderung. „In Spanien und England findet in den frühen Jahren eine ganz andere Ausbildung statt. Das haben wir einfach versäumt“, meinte Zietz.

Ihr Wunsch an die Berliner Politik ist es, „mutige Entscheidungen“ zu treffen und die nötigen Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen. „Ich möchte, dass wir den Frauenfußball nicht klein denken, sondern ihm eine große Plattform geben“, sagte sie. Das gelte zum Beispiel für den Umbau des Stadions von Union Berlin. Bislang ist nicht bekannt, wohin die Frauen während der Umbauarbeiten ausweichen werden. Die Männer werden dann so wie Hertha im Olympiastadion spielen, doch an einem weiteren erstligatauglichen Stadion für die Frauen mangelt es.

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Kein EM-Spiel in Berlin

Leider habe die Hauptstadt eine Chance auf mehr Sichtbarkeit für den Frauenfußball versäumt, so Zietz. Bei der Europameisterschaft, die 2029 in Deutschland stattfinden wird, wird kein Spiel in Berlin ausgetragen. „Das schmerzt. Da hat, glaube ich, der Mut gefehlt, obwohl andere Turniere gezeigt haben, dass auch Frauenfußball Stadien füllen kann“, analysierte Bruch die Situation.

Dennoch blickten die drei Diskussionsteilnehmerinnen optimistisch auf die Zukunft des Frauenfußballs in Berlin. „Wenn wir einen attraktiven Fußball spielen, tragen wir unseren Teil dazu bei, unsere Mannschaften interessant zu machen und Fans an uns zu binden“, erklärte Knipp. Für die Zukunft hat der FC Viktoria Berlin große Ambitionen. Auch Union Berlin freut sich auf die Saison. Gleich die Saisoneröffnung am 21. August dürfte ein echtes Highlight werden: zu Hause in der Alten Försterei gegen den Deutschen Meister FC Bayern München.