Der ehemalige Fifa-Präsident Sepp Blatter hat die Pläne seines Nachfolgers Gianni Infantino zur Privatisierung der Fußball-Weltmeisterschaft scharf kritisiert. In einem Beitrag auf der Plattform X wetterte der 90-jährige Schweizer gegen Infantino und dessen enge Verbindung zum US-Präsidenten Donald Trump.
Blatter: „Niemand hat das Recht, unser Spiel zu verkaufen“
Blatter schrieb wörtlich: „Das enge Verhältnis zwischen dem Fifa- und dem US-Präsidenten erreicht neue finanzielle Dimensionen, die dem Fußball erheblich schadet. Niemand hat das Recht, unser Spiel zu verkaufen.“ Hintergrund ist die geplante Einbindung von Wirtschaftsinvestoren in die WM-Endrunde, die de facto einem Verkauf des Turniers an den Höchstbietenden gleichkommt.
Spott statt Zustimmung: Blatters eigene Vergangenheit
Die Kritik des früheren Fifa-Chefs stieß jedoch vielerorts auf Hohn. Ein Nutzer antwortete: „Sepp, wir brauchen dich zurück. Deine Korruption war viel besser versteckt.“ Ein anderer ergänzte: „Es tut uns leid, alter Mann. Wir wussten nicht, was wir an dir hatten. Deine Korruption war besser.“ Damit spielten die Kommentatoren auf Blatters eigene Verstrickungen in Korruptionsskandale an. Im Dezember 2015 wurde Blatter von der Fifa-Ethikkommission für acht Jahre gesperrt und mit einer Geldstrafe belegt; später reduzierte man die Sperre auf sechs Jahre. Die Begründung: „Missbrauch seiner Position“. Bereits bei seiner Wahl 1998 hatte ihm der damalige DFB-Präsident Egidius Braun vorgeworfen, Stimmen gekauft zu haben.
Frühere Kritik: Trumps Einfluss auf Rote Karten
Bereits zuvor hatte Blatter scharf kritisiert, dass nach einem Telefonat von Präsident Trump die Rote Karte gegen den US-Star Folarin Balogun im WM-Achtelfinale zurückgenommen wurde. Balogun durfte daraufhin gegen Belgien spielen, obwohl er eigentlich gesperrt gewesen wäre. Blatter fragte damals: „Quo vadis, Fifa? Der Fußball darf niemals zu einer Spielwiese für politische Macht werden.“
Infantinos Pläne: WM als Ware
Die aktuellen Privatisierungspläne von Infantino sehen vor, dass private Investoren künftig Anteile an der WM erwerben können. Dies würde bedeuten, dass das wichtigste Sportereignis der Welt zunehmend nach wirtschaftlichen Interessen gestaltet wird. Kritiker befürchten einen weiteren Verlust an Integrität und eine Kommerzialisierung, die den Sport seiner Seele beraubt. Blatters Intervention kommt dabei ausgerechnet von einem Mann, der selbst jahrelang unangefochten an der Spitze des Weltverbandes stand und dessen Amtszeit von Korruptionsvorwürfen überschattet war.



