Die brasilianische Fußball-Nationalmannschaft, die einst für ihren künstlerischen Spielstil bekannt war, steht vor einer neuen Herausforderung. Seit dem letzten WM-Titel im Jahr 2002 wartet Brasilien auf den sechsten Triumph. Bei der Weltmeisterschaft 2026 in den USA setzen die Verantwortlichen vor allem auf den italienischen Trainer Carlo Ancelotti, der als erster ausländischer Coach die Seleção übernommen hat.
Ancelotti als Hoffnungsträger
Carlo Ancelotti, 67 Jahre alt, hat die Mannschaft vor einem Jahr übernommen und soll die individuellen Stärken der Spieler zu einer Einheit formen. In der Vergangenheit scheiterte Brasilien viermal im Viertelfinale, das 1:7 gegen Deutschland im Halbfinale 2014 ist noch immer präsent. Auch die jüngsten Ergebnisse waren enttäuschend: Bei der Copa América 2024 war im Viertelfinale gegen Uruguay Schluss, in der WM-Qualifikation landete Brasilien nur auf Platz fünf. Die Hoffnungen auf den sechsten Titel sind daher gedämpft.
Der ehemalige Bundesligaprofi Paulo Sergio äußerte sich optimistisch über Ancelotti: „Es ist schwierig, doch Ancelotti hat so eine große Erfahrung. Er hat schon so viel erlebt, nicht nur Siege, auch schwierige Situationen, er kann das lösen. Ich vertraue mehr in den Trainer als in die Mannschaft.“ Dieses Vertrauen basiert auf Ancelottis Erfolgen bei Real Madrid, wo er dreimal die Champions League gewann und Stars wie Vinícius Junior und Raphinha formte.
Individuelle Klasse, aber fehlende Konstanz
Brasilien verfügt über herausragende Offensivkräfte wie Vinícius Junior von Real Madrid und Raphinha vom FC Barcelona, die jedoch in der Nationalmannschaft bisher nicht konstant überzeugen konnten. Dazu kommen erfahrene Spieler wie Alisson Becker, Marquinhos und Casemiro. Besonders im Fokus steht Neymar, der nach fast drei Jahren Abstinenz wieder im Kader steht, aber aufgrund einer Wadenverletzung die Vorbereitungsspiele verpasste. Sein Einsatz im Auftaktspiel gegen Marokko ist fraglich. Neymar spaltet die brasilianische Öffentlichkeit: Während einige seine Rückkehr feiern, kritisieren andere ihn als zu alt und egoistisch.
Gelassenheit und hohe Erwartungen
Ancelotti begegnet den vielen Fragen zu Neymar mit Gelassenheit. Auf einer Pressekonferenz sagte er: „Wissen Sie, was man in Italien sagt? Wenn mein Opa Räder hätte, wäre er ein Auto.“ Diese Ruhe kommt in Brasilien gut an. Der Verband verlängerte seinen Vertrag bis 2030 und zahlt angeblich zehn Millionen Euro pro Jahr. Die Erwartungen an die Mannschaft sind enorm: „Ich wusste schon vorher, wie groß die Leidenschaft hier ist – aber sie ist noch intensiver, vor allem, wenn es um die Nationalmannschaft geht. Die Menschen lieben dieses Trikot. Wenn Brasilien spielt, steht das Land still“, so Ancelotti. „Wir wollen etwas Großes erreichen.“



