Die Bundesliga wird in der neuen Saison nicht alle Regeländerungen der jüngsten Fußball-Weltmeisterschaft in den USA übernehmen. Nach einer Sitzung der DFB-Schiedsrichter-GmbH mit Geschäftsführer Knut Kircher und der Kommission Fußball der Bundesliga am Montag in Frankfurt stehen die Weichen fest: Eckbälle werden weiterhin nicht vom Video-Assistenten (VAR) überprüft. Ziel sei es, die Zahl der VAR-Eingriffe nicht weiter zu erhöhen.
Keine Roten Karten für Mund verdeckende Spieler oder Protestverlasser
Zudem wird es für das Verdecken des Mundes mit der Hand oder dem Trikot in einem Disput mit dem Gegenspieler maximal eine Gelbe Karte geben – nicht Rot, wie von der Fifa bei der WM praktiziert. Auch Spieler, die aus Protest das Feld verlassen, sehen keine Rote Karte. Diese Entscheidungen trafen die Verantwortlichen in einem intensiven Austausch über die optionale Übernahme der von der Fifa eingeführten Regelnovellen.
Kapitänsregel im Fokus: Strengere Kontrolle angekündigt
Knut Kircher betonte, worauf die Schiedsrichter in der bevorstehenden Spielzeit besonders achten sollen: die strikte Einhaltung der Kapitänsregel, die bei der Weltmeisterschaft häufig missachtet wurde. „Wir werden Unsportlichkeiten konsequent ahnden“, so Kircher. Das betreffe etwa die Verhinderung einer schnellen Spielfortsetzung bei einem Freistoß sowie despektierliches Verhalten gegenüber dem Schiedsrichter, etwa durch Meckern oder abfälliges Abwinken.
Neue Bewertung von Torwartblockaden
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Beurteilung von Situationen, in denen ein Spieler sich neben, hinter oder vor den gegnerischen Torwart stellt – was grundsätzlich erlaubt ist. Sollte der Spieler jedoch seinen Körper aktiv in den Torwart hineinbewegen und ihn blocken, sodass dessen Fang- oder Abwehraktion behindert wird, wertet der Schiri dies künftig als Foul. Diese Neuerung soll für mehr Klarheit im Strafraum sorgen.
Bereits feststehende Regeländerungen für die Saison
Einige Änderungen standen bereits vor der Sitzung fest und werden in der neuen Spielzeit umgesetzt. So müssen Abstöße und Einwürfe innerhalb von fünf Sekunden ausgeführt werden – andernfalls wechselt der Ballbesitz. Der Gegner bekommt dann den Einwurf zugesprochen oder erhält bei einem nicht fristgerecht ausgeführten Abstoß einen Eckball. Diese Regel dient der Bekämpfung von Zeitspiel.
Ebenso gilt: Ein Spieler, der ausgewechselt wird, muss innerhalb von zehn Sekunden nach Anzeige der Auswechslung den Platz verlassen. Tut er dies nicht, muss der Einwechselspieler eine Minute warten, bevor er das Spielfeld betreten darf – und zwar bis zur nächsten Spielunterbrechung. In dieser Zeit spielt seine Mannschaft in Unterzahl. Auch dies soll Zeitspiel unterbinden.
Verletzte Spieler, die auf dem Platz behandelt wurden oder eine verletzungsbedingte Unterbrechung verursachen, müssen für mindestens eine Minute das Spielfeld verlassen. Ausgenommen sind verletzte Torhüter sowie Spieler, die durch ein Foul verletzt wurden, für das der Gegner eine Gelbe oder Rote Karte erhielt. Auch Spieler, die einen Elfmeter schießen sollen, dürfen auf dem Feld bleiben.
Die Deutsche Presse-Agentur berichtete über die Sitzung. Die Kommission Fußball der Bundesliga hat die beschlossenen Änderungen zur Kenntnis genommen. Die Schiedsrichter werden in den kommenden Wochen auf die neuen Regelungen geschult.



