Ceferin liefert Meisterstück: UEFA droht FIFA mit Boykott
Ceferin liefert Meisterstück: UEFA droht FIFA mit Boykott

Die Europäische Fußball-Union UEFA hat den offenen Bruch mit dem Weltverband FIFA vollzogen. Die 55 Mitgliedsverbände drohen geschlossen mit einem Boykott aller FIFA-Wettbewerbe, sofern der geplante WM-Investorendeal nicht bis zum 19. September verworfen wird. Die Kampfansage kommt von UEFA-Boss Aleksander Ceferin – und sie könnte das Ende von FIFA-Präsident Gianni Infantino einläuten.

Der Plan, gegen den sich die UEFA stellt, sieht vor, private Investoren an der FIFA zu beteiligen. Damit verbunden sind drei zentrale Ziele: mehr Geld für alle Mitgliedsverbände, ein größerer Einfluss der USA im Weltfußball und eine dauerhafte Rolle für Gianni Infantino als Geschäftsführer der FIFA. Doch die europäischen Verbände betrachten genau das als Übergriff auf die Autonomie des Fußballs.

Drei Akte des Widerstands

Die UEFA organisierte ihren Widerstand in drei Schritten. Zuerst die Empörung: In einer ersten Stellungnahme hieß es, mit dem Plan werde "eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften". Danach folgte Spott über das Ultimatum, das die FIFA laut Medienberichten gesetzt haben soll: "Das sagt alles über diesen Plan aus, was man wissen muss", so der Unterton der UEFA.

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Der dritte Akt war schließlich der offene Bruch. Unter dem Vorsitz von Ceferin einigten sich alle 55 UEFA-Mitglieder – einschließlich des Deutschen Fußball-Bunds, des spanischen Weltmeisters und der zunächst abtrünnigen Tschechen – auf eine harte Linie. In einer Erklärung drohten sie: "Als Folge der heutigen Diskussion werden keine Nationalmannschaften aus der UEFA an einem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge bestehen bleiben, es sei denn, dieser Vorschlag wird vollständig verworfen und es werden verbindliche Zusicherungen gegeben, dass die FIFA ihre Führung oder Wettbewerbe nie wieder für private Eigentümer öffnet."

Diese Ankündigung ist beispiellos in der Geschichte des Weltfußballs. Noch nie hat sich ein ganzer Kontinentalverband geschlossen gegen die FIFA gestellt und mit einem umfassenden Boykott gedroht.

Ceferin als Strippenzieher

Beachtlich ist, dass Ceferin in der Erklärung nicht namentlich auftaucht. Der 58-Jährige führt den Widerstand dennoch an – wie schon 2018, als er Infantinos Milliardenpläne zu Fall brachte, und 2021, als er die Super League der Topklubs zerschlug. Ceferin lenkt die UEFA seit 2016, im kommenden Jahr will er nicht erneut kandidieren. DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagte einmal über den Slowenen: "Der DFB hat volles Vertrauen in sein Handeln und in ihn als Person."

Der gelernte Rechtsanwalt und frühere Karate-Kämpfer gilt als Gegenentwurf zu Infantino. Er pflegt keine eigenen Social-Media-Kanäle und setzt auf leise Diplomatie statt lauter Selbstinszenierung. Dass es ihm gelang, binnen 48 Stunden alle 55 europäischen Verbände auf eine gemeinsame Linie zu bringen, wird als sein Meisterstück gewertet. Selbst die Tschechen, die zunächst eigene Wege gehen wollten, reihten sich letztlich ein.

Boykott schon im September?

Sollte die FIFA bis zum 19. September nicht einlenken, droht schnell das Chaos. Bereits im September soll in Polen die U20-Weltmeisterschaft der Frauen anstehen, im Oktober folgen Playoff-Spiele für die Frauen-WM 2027 in Brasilien. Ohne die europäischen Teams wären diese Wettbewerbe kaum durchführbar.

Der Konflikt hat eine Vorgeschichte. Beim WM-Finale in East Rutherford bei New York, das Spanien gegen Argentinien bestritt, blieb Ceferin dem Stadion demonstrativ fern. Als Grund galten die Ereignisse um den US-Stürmer Folarin Balogun, dem eine Rotsperre für das Achtelfinale erlassen worden war, nachdem US-Präsident Donald Trump bei Infantino angerufen hatte. Die UEFA sprach damals von einer "überschrittenen roten Linie" und warf der FIFA vor, die Integrität des Spiels zu gefährden.

Machtkampf mit offenem Ende

Die jetzige Boykottdrohung geht über alle früheren Proteste hinaus. Sie stellt nicht nur den Investorenplan infrage, sondern die gesamte Führung der FIFA. Sollte Infantino über den Plan stürzen, gilt Ceferin als wahrscheinlichster Nachfolger. Der Slowene könnte dann nicht nur den Erzfeind ablösen, sondern auch die Weichen für eine neue Ära im Weltfußball stellen.

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Bis dahin bleibt die FIFA am Zug. Sie kann den Plan verwerfen und das Gesicht wahren – oder den Konflikt eskalieren lassen. Die europäische Front steht jedenfalls schon einmal Gewehr bei Fuß.