Wenn der VfL Wolfsburg am 2. Spieltag der 2. Bundesliga bei Hannover 96 gastiert, kommt es zu einem Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Muhammed Damar (22) kehrt an die Stätte seiner Leihe in der Saison 2023/24 zurück. Der Mittelfeldspieler, der für 5,5 Millionen Euro Ablöse von der TSG Hoffenheim nach Wolfsburg wechselte, stand damals bei 96 unter Vertrag – wenn auch meist nur in der zweiten Mannschaft.
Vom Hoffenheimer Talent zum Wolfsburger Hoffnungsträger
Bei der TSG Hoffenheim absolvierte Damar 22 Bundesliga-Einsätze, ehe er sich im Sommer 2023 für ein Jahr nach Hannover verlieh ließ. Der U21-Nationalspieler (sechs Länderspiele) galt als hoch veranlagtes Talent, doch unter dem damaligen 96-Trainer Stefan Leitl (48, jetzt Hertha BSC) fand er keine Berücksichtigung. Nach nur vier Kurzeinsätzen wurde er in die Regionalliga (4. Liga) zur U23 abgeschoben.
„Ich kam als Bundesligist und Top-Talent nach Hannover und sollte Spielpraxis sammeln. Ich kann mir auch nicht erklären, warum es nicht geklappt hat. Was ich aber weiß, ist, dass ich da gereift bin“, erklärte Damar im Gespräch mit BILD. Statt sich hängen zu lassen, gab er in der U23 Vollgas: In acht Spielen erzielte er zwölf Torbeteiligungen und schoss die Mannschaft zur Regionalliga-Meisterschaft. „Ich habe Hannovers U23 zur Meisterschaft geschossen. Mir war immer wichtig, dass ich spiele. Und wenn ich die Spielpraxis nicht in der 2. Liga bekomme, wollte ich in der U23 zocken. Ich wollte nicht nur 90 Minuten auf dem Feld stehen, sondern mich auch zeigen. Es war traurig, dass ich keine Belohnung in der 2. Liga bekommen habe.“
Lehren aus der Leihe: Demut und Akzeptanz
Mit Abstand blickt Damar positiv auf die Zeit zurück: „Ich musste lernen, Entscheidungen vom Trainer zu akzeptieren. Und kann heute sagen, dass ich bei Hannover noch mehr Demut gelernt habe.“ Diese Erfahrung half ihm, seine Karriere neu zu justieren. Nach der Rückkehr nach Hoffenheim war er zunächst Stammspieler, ehe ihn ein Trainerwechsel zurückwarf. Dennoch blieb er bei den Kraichgauern im Kader und sammelte weitere Einsätze.
Beinahe wäre es zu einer Wiedervereinigung mit Hannovers Ex-Sportdirektor Marcus Mann (42) gekommen. Laut BILD-Informationen wollte Mann, der mittlerweile bei RB Salzburg arbeitet, Damar im Sommer nach Österreich locken. Der Spielmacher entschied sich jedoch für den VfL Wolfsburg, dem Top-Favoriten auf die ersten beiden Tabellenplätze in der 2. Bundesliga. „Ich sehe meine Rolle als führenden Spieler, als Stammspieler. Aber die Konkurrenz ist da“, sagte Damar selbstbewusst.
Vom Käfig ins Profi-Geschäft
Seine fußballerische Prägung erhielt Damar als Jugendlicher in Berlin. „Ich bin ein Käfig-Zocker. Ich bin im Käfig aufgewachsen und habe auch die Schule geschwänzt, um einfach im Käfig Fußball zu spielen und mich weiterzubilden“, verriet er. „Ich habe jeden Tag Fußball gespielt, von morgens bis abends, bis meine Mutter aus dem Fenster gerufen hat und meinte: Ab nach Hause, es ist Schlafenszeit.“ Diese kämpferische Mentalität will er nun in Wolfsburg einbringen, wo er als zentraler Mittelfeldspieler eingeplant ist.
Am 2. Spieltag (Termin steht noch nicht fest) trifft Damar nun auf seinen Ex-Klub. Die Anhänger von Hannover 96 werden ihn sicherlich mit gemischten Gefühlen empfangen – als talentierten Spieler, der bei ihnen den Durchbruch nicht schaffte, aber durch die Leihe reifte. Für Damar ist das Spiel eine besondere Gelegenheit, sich für das Vertrauen der Wolfsburger zu bedanken und gleichzeitig zu zeigen, was er gelernt hat.



