US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag gleich zwei hochrangige ausländische Staatsgäste im Weißen Haus empfangen: den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Anlass war die Trauerfeier für den verstorbenen US-Senator Lindsey Graham, der sich als bedeutender Unterstützer sowohl Israels als auch der Ukraine hervorgetan hatte. Die Gespräche fanden vor dem Hintergrund des gemeinsamen Kriegs von Israel und USA gegen den Iran sowie des anhaltenden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine statt.
Netanjahu und Trump: Differenzen im Iran-Krieg
Es war das erste persönliche Treffen zwischen Trump und Netanjahu seit Beginn des Iran-Kriegs im Februar. In den vergangenen Wochen waren Berichte über wachsende Spannungen zwischen den engen Verbündeten laut geworden. Der zentrale Konfliktpunkt: Israel drängt auf eine Fortsetzung des Krieges, während Trump eine diplomatische Lösung bevorzugt. Kurz vor dem Treffen bestätigte Trump diesen Eindruck in einem Interview mit dem Sender Fox News. Auf die Frage, ob Netanjahu mit ihm über Aktivitäten an einer mutmaßlichen iranischen Atomeinrichtung namens „Pickaxe Mountain“ sprechen wolle, sagte Trump: „Nun, ich brauche Bibi nicht, um mir das zu sagen. Bibi erzählt mir das, weil er möchte, dass ich weiterhin involviert bleibe.“
Netanjahu soll bei dem Treffen Geheimdienstinformationen vorgelegt haben, die angeblich belegen, dass der Iran Nuklearbestrebungen am Standort „Pickaxe Mountain“ im Zentraliran vorantreibe, wie das US-Boulevardblatt „New York Post“ unter Berufung auf eine israelische Quelle berichtete. Der israelische TV-Sender N12 ergänzte, Netanjahu wolle zudem Informationen über mutmaßliche Bestrebungen von Irans oberstem Führer, Ajatollah Modschtaba Chamenei, auf eine Atomwaffe hinzuarbeiten. Teheran dementiert solche Berichte seit Jahren. Medienberichten zufolge könnte Netanjahu Trump um Zustimmung zu neuen Angriffen im Iran bitten. Vor der richtungsweisenden Wahl in Israel im Oktober ist es für Netanjahu auch entscheidend, Einigkeit mit Trump zu demonstrieren.
Selenskyj: Flugabwehr und diplomatische Bemühungen
Trump hatte Selenskyj in den vergangenen Wochen mehrfach am Rande internationaler Gipfel gesprochen. Das rund einstündige Treffen im Weißen Haus fand hinter verschlossenen Türen statt. Im Anschluss teilte Selenskyj auf der Plattform X mit, es sei um eine Stärkung der ukrainischen Flugabwehr gegen russische Raketenangriffe gegangen. „Der Präsident und ich haben über Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen gesprochen und andere Dinge, die helfen können“, schrieb er. Zudem sei es um eine Wiederbelebung diplomatischer Bemühungen zur Beendigung des Krieges gegangen. „Ich bin den Vereinigten Staaten dankbar für ihre feste Unterstützung“, erklärte Selenskyj.
Die USA sehen sich in dem Konflikt als Vermittler, doch ihre Bemühungen sind infolge des eigenen Kriegs gegen den Iran zuletzt in den Hintergrund geraten. Selenskyj wird voraussichtlich im Anschluss an die Gedenkveranstaltung für Graham auch Senatoren beider Parteien treffen. Nach Informationen des US-Portals „The Hill“ wurden alle 100 Senatoren eingeladen. Im Kongress wird seit langem über ein neues Sanktionspaket gegen Russland verhandelt, das Graham maßgeblich vorangetrieben hatte. Es richtet sich unter anderem gegen Länder, die russische Energieträger importieren und damit den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Nach Grahams Tod versuchen mehrere Senatoren, sein Anliegen zum Abschluss zu bringen.
Lindsey Grahams Vermächtnis
Der am 5. März verstorbene Senator Lindsey Graham war eine einflussreiche Stimme in der US-Außenpolitik. Er galt als enger Verbündeter Trumps und setzte sich vehement für die Unterstützung Israels und der Ukraine ein. Graham hatte noch in seinen letzten Wochen für eine Einigung mit dem Iran plädiert, wie Trump in seinem Fox-News-Interview erwähnte. Die Trauerfeier in Washington brachte nun zwei Staatschefs zusammen, deren Länder derzeit in Kriegen stehen, die auch die USA tief betreffen. Die Gespräche im Weißen Haus zeigten, dass trotz unterschiedlicher Prioritäten enge Bündnisse fortbestehen.



