Dembélés Wandlung zum Teamplayer
Es ist ein emotionaler Abend im Théâtre du Châtelet in Paris im September 2025. Unter großem Applaus nimmt Ousmane Dembélé den Ballon d'Or entgegen. Im schicken Anzug wirkt der einstige Problemprofi wie ein reifer Mann. „Wenn man älter wird, weiß man, dass es ums Kollektiv geht“, sagte er bei der Gala. Dieser Satz fasst seine bemerkenswerte Entwicklung perfekt zusammen: vom exzentrischen Talent zum selbstlosen Teamspieler.
Vom Toptalent zum Mannschaftsdiener
Dembélé war schon immer ein Ausnahmekönner. Seine Ballbehandlung und sein Dribbling sind zum Zunge schnalzen. Doch sein Umgang mit dem eigenen Talent ließ lange zu wünschen übrig. Mittlerweile hat der 29-Jährige verstanden: Nur wenn er seine Qualitäten gezielt in die Mannschaft einbringt, kann er seine Ziele erreichen. Bei der WM in den USA ist das nicht anders. Während Kylian Mbappé und Michael Olise mit Toren und Dribblings glänzen, fliegt der Ballon-d'Or-Gewinner fast unter dem Radar – und ist damit völlig fein.
Statistiken und Rollenwechsel
Vor dem Viertelfinale gegen Marokko am Donnerstag (22.00 Uhr/ARD und MagentaTV) in Foxborough steht Dembélé bei vier Turniertreffern. Drei davon erzielte er beim 4:1 gegen Norwegen zum Vorrundenabschluss. Ob es mehr sein könnten, wenn er statt über den rechten Flügel durch die Mitte angreifen dürfte – wie bei seinem Club Paris Saint-Germain, mit dem er zweimal nacheinander die Champions League gewann? Möglich. Aber für den WM-Titel nimmt Dembélé inzwischen auch einen Positionswechsel in Kauf.
Vergangenheit voller Eskapaden
Das war nicht immer so. In jungen Jahren konnte er vom Unterschieds- zum Problemspieler werden. In der Saison 2016/2017 spielte Dembélé für Borussia Dortmund und schlug auf Anhieb ein. Doch BVB-Fans erinnern sich auch an seine Eskapaden: Er bestreikte das Training und wechselte unter großem Getöse – für eine dreistellige Millionensumme – zum FC Barcelona. Auch dort ließ er Trainingseinheiten sausen. Den großen Durchbruch schaffte er erst nach seinem Transfer nach Paris 2023. Die Leistungsexplosion kam ein Jahr später, als Mbappé zu Real Madrid wechselte.
Harmonie im Nationalteam
Mbappé und Dembélé sind befreundet. Im Nationalteam sind ihre Rollen klarer definiert: Dembélé ist eher der Zulieferer. Dennoch sei er „ein Schlüsselspieler“, betonte Mbappé. Er verwies darauf, dass Dembélé vor der WM angeschlagen war. Frankreichs Trainer Didier Deschamps sagte: „Wenn er topfit ist, und das ist er momentan, kann er den Unterschied ausmachen.“ Deschamps hatte Dembélé in der Vergangenheit kritisiert und zu mehr Disziplin aufgefordert. Der Coach bewies bereits 2018 ein gutes Gespür für seine Stars, als er Frankreich zum WM-Titel führte – auch mit Dembélé.
Dankesrede und Ausblick
In seiner tränenreichen Dankesrede bei der Ballon-d'Or-Gala schloss Dembélé auch Deschamps mit ein. Er skizzierte seinen Weg an die Spitze des Weltfußballs – und seine bemerkenswerte Wandlung vom Problemprofi zum unverzichtbaren Teamplayer.



