DFB-Machtverschiebung: Neuendorf allein an der Spitze, Völler Zukunft ungewiss
DFB-Machtverschiebung: Neuendorf allein, Völler ungewiss

DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der am Montag seinen 65. Geburtstag feierte, ist der letzte Verbliebene aus dem früheren Triumvirat an der Verbandsspitze. Geschäftsführer Andreas Rettig verlässt den DFB zum Jahresende, Sportdirektor Rudi Völlers Zukunft ist ungewiss. Allein Neuendorf verhandelt mit dem designierten Bundestrainer Jürgen Klopp über dessen Vertrag. Dennoch ist er nicht der starke Mann im Verband – die Machtverhältnisse haben sich verschoben.

Vom Politprofi zum unauffälligen DFB-Chef

Als Neuendorf im März 2022 zum DFB-Präsidenten gewählt wurde, blickte er auf eine beachtliche politische Karriere zurück: Er war Sprecher des SPD-Parteivorstands, Landesgeschäftsführer in Nordrhein-Westfalen und Staatssekretär. Doch sein Führungsstil unterscheidet sich deutlich von dem seiner Vorgänger. „Bloß nicht anecken“, scheint sein Motto zu sein – anders als einst Willy Brandts „Mehr Demokratie wagen“.

Diese Haltung zeigte sich bereits vor der WM 2022 in Katar. Damals ging Neuendorf noch auf Konfrontation zu Fifa-Chef Gianni Infantino, der die Mannschaften aufgefordert hatte, den Fußball nicht in politische Kämpfe ziehen zu lassen. Neuendorf zeigte sich „einigermaßen irritiert und auch verstört“. Doch diese Haltung kostete den DFB teuer: Bei der Vergabe der Frauen-WM 2027 ging Deutschland leer aus, das Turnier findet nun in Brasilien statt.

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Unpolitische Linie und Kritik an Fifa

Inzwischen gibt sich der DFB unter Neuendorf betont unpolitisch. Selbst die Vergabe des Fifa-Friedenspreises an US-Präsident Donald Trump fand Neuendorf nicht verwerflich. Umso überraschender kam seine kritische Äußerung zu den Umständen der aufgehobenen Rotsperre für den US-Angreifer Folarin Balogun. Es war ein seltener Ausbruch aus der sonst so zurückhaltenden Linie.

Die Wahl von Jürgen Klopp als Nachfolger von Bundestrainer Julian Nagelsmann ist der ultimative Konsenskandidat. In Kürze will Neuendorf mit Vizepräsident Hans-Joachim Watzke in die USA reisen, um die Vertragsmodalitäten zu klären. Die Verhandlungsdelegation ist bezeichnend: Andreas Rettig und Rudi Völler sind nicht mehr involviert.

Watzke als Strippenzieher

Hans-Joachim Watzke, der frühere Geschäftsführer und heutige Präsident von Borussia Dortmund, pflegt eine enge freundschaftliche Verbindung zu Klopp seit dessen Zeit beim BVB. Bereits beim Krisenmanagement nach der missratenen Katar-WM spielte Watzke eine wichtige Rolle. Er war es, der mit der Bestellung von Rudi Völler zum Sportdirektor die konservative Wende im Verband einleitete. „Wir sind ja mehr so Bauchmenschen“, sagte Watzke damals.

Ob Völler, dessen Vertrag noch bis 2028 läuft, in der neuen Konstellation bleibt, ist ungewiss. Während der WM hatte er Klopp vorgeschlagen, man könne sich „mal zusammensetzen und ein paar grundsätzliche Dinge besprechen“. Doch das war nicht so gemeint, wie es jetzt klingt. Klopp hatte Völlers Unmut erregt, als er sagte, Nagelsmann mache noch die Aufstellung. Völler verstand sich als Bodyguard für Nagelsmann – einen solchen würde Klopp nicht brauchen.

Völler als freundliches Gesicht – Rettig geht

Völler hat sich nie als strategisches Mastermind verstanden. Schon bei seiner Anstellung Anfang 2023 sagte er: „Ich bilde mir nicht ein, dass ich dazu berufen bin, die ganzen Strukturen des DFB zu verändern.“ Er war vor allem das allseits beliebte und freundliche Gesicht des Verbandes. Das kann der DFB auch künftig noch brauchen, vor allem neben dem eher blassen Präsidenten Neuendorf.

Andreas Rettig hingegen wird keine Rolle mehr spielen. Der 63-Jährige hat angekündigt, seinen am Jahresende auslaufenden Vertrag aus persönlichen Gründen nicht zu verlängern. Vermutlich ist er auch aus anderen Gründen nicht in die Klopp-Verhandlungen involviert: Klopp ist noch beim österreichischen Getränkekonzern Red Bull angestellt, und Rettig steht im Ruf, dem Unternehmen kritisch gegenüberzustehen.

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Bereits als RB Leipzig von der Dritten in die Zweite Liga aufstieg und damit in die Zuständigkeit der DFL wechselte, war Rettig als DFL-Geschäftsführer daran beteiligt, dass der Klub Bedingungen erfüllen musste. Die Antipathie ist beidseitig. Im September 2023 erklärte Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff gemeinsam mit Karl-Heinz Rummenigge seinen Rücktritt aus der Taskforce Nationalmannschaft und begründete dies explizit mit der Anstellung Rettigs – „eine durchaus sensible Personalie und diskussionswürdige Entscheidung“.

Die Machtverhältnisse im DFB haben sich damit grundlegend verschoben. Neuendorf bleibt als Präsident, doch die eigentliche Entscheidungsgewalt liegt bei Watzke und dem designierten Bundestrainer Klopp. Der Verband steht vor einem personellen Neuanfang – mit ungewissem Ausgang für die bisherigen Führungsfiguren.