Die wohl schwere Verletzung von Nico Schlotterbeck trifft die deutsche Nationalmannschaft an einem empfindlichen Punkt. Einen adäquaten Ersatz im Spielaufbau gibt es nicht. Der Innenverteidiger zog sich im zweiten WM-Spiel gegen die Elfenbeinküste eine Verletzung am linken Sprunggelenk zu.
Schlotterbecks Verletzung: Innenband betroffen
Nach einem unglücklichen Zweikampf in der Anfangsphase des Spiels knickte Schlotterbeck mit dem linken Fuß weg. Bundestrainer Julian Nagelsmann sagte auf der Pressekonferenz: „Es ist leider höchstwahrscheinlich eine Innenbandverletzung im Sprunggelenk, wir wissen aber noch nicht, in welchem Ausmaß. Es sah jetzt nicht so gut aus.“ Schlotterbeck spielte noch bis zur Pause weiter, blieb dann aber in der Kabine.
Schon nach dem Zweikampf hatte er sichtlich mit Schmerzen zu kämpfen. Er verzog das Gesicht und suchte nur selten den für ihn typischen langen Ball ins letzte Angriffsdrittel. Die deutsche Mannschaft fand in der ersten Halbzeit nur schwer ins eigene Spiel – ein Zusammenhang mit Schlotterbecks Problemen.
Schlüsselrolle im Aufbauspiel
Für Nagelsmann ist der wichtigste linke Fuß im Kader der von Nico Schlotterbeck. Er nimmt im Aufbau und in der Spielgestaltung eine Schlüsselrolle ein. Seine langen, präzisen Bälle sind bei Gegnern gefürchtet und in der eigenen Mannschaft geschätzt. Beim Sieg über die Elfenbeinküste ließ er diese Pässe jedoch – wohl auch wegen seiner Schmerzen – bleiben. Deutschland war um einen wichtigen Faktor in der Spieleröffnung beraubt.
Eine MRT-Untersuchung am Sonntag soll Aufschluss über die genaue Ausfallzeit geben. Nagelsmann dürfte gezwungen sein, zumindest im dritten Gruppenspiel gegen Ecuador eine Änderung in der Startelf vorzunehmen. Sollte der schlimmste Fall eintreten, wäre die WM für Schlotterbeck vorzeitig beendet. Erst im April 2025 hatte sich der Dortmunder im linken Knie einen Meniskusriss zugezogen und fiel fünf Monate aus.
Nagelsmann: „Riesenprobleme in der Spieleröffnung“
Nagelsmann muss sich eine Alternative in der Innenverteidigung überlegen. Gegen die Elfenbeinküste erhielt Antonio Rüdiger den Vorzug vor Waldemar Anton und zeigte eine solide Leistung. Mit seiner Einwechslung rutschte Jonathan Tah auf die halblinke Position in der Abwehrkette. Das funktionierte gegen den Ball sehr gut, aber mit Ball offenbarte sich ein Problem.
Nagelsmann hatte bereits im März angekündigt: „In der Innenverteidigung gibt es ein Thema mit Nico Schlotterbeck, der aktuell unser einziger Linksfuß ist, und wir schon Riesenprobleme in der Spieleröffnung hatten, wenn er nicht gespielt hat. Schlotti ist ein unfassbar wichtiger Spieler. Trotzdem müssen wir uns darauf vorbereiten, was passiert, wenn er mal nicht spielen kann.“
Ohne Schlotterbeck: Aufbauspiel ausrechenbar
Ohne Schlotterbeck ist das gesamte Aufbauspiel der deutschen Mannschaft ausrechenbarer als ohnehin schon. Mit den beiden eingerückten Außenverteidigern wird viel durch das Zentrum gespielt und überwiegend mit kurzen Pässen das Mittelfeld überbrückt. Selbst mit Anton dürfte sich das nicht ändern, da auch er für die rechte Seite eingeplant ist. Malick Thiaw ist als fünfter Innenverteidiger vorgesehen und dürfte nur im äußersten Notfall Spielzeit sammeln; er wird bei Newcastle United ebenfalls rechts eingesetzt.
Es wird darauf ankommen, ob Jonathan Tah den Spielmacher in sich entdeckt. Beim FC Bayern wird er überwiegend halb links eingesetzt und hat sich in dieser Rolle enorm weiterentwickelt. Ausgeschlossen ist nicht, dass er auch in der Spieleröffnung an Bedeutung gewinnt. Nach den vergangenen Monaten ist ihm das durchaus zuzutrauen.



