DFB-Siege mit emotionalem Mehrwert: Von Schweden bis zur Eistonne
DFB-Siege mit emotionalem Mehrwert: Von Schweden bis zur Eistonne

Nach dem späten 2:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste am Samstag sprach Bundestrainer Julian Nagelsmann von einem Tor, das Kräfte freisetzen könne. Ein Blick in die Historie zeigt: Solche emotionalen Siege gab es immer wieder – mit unterschiedlichen Folgen.

Der Jubel nach Undavs Treffer

In der vierten Minute der Nachspielzeit erzielte Einwechselspieler Deniz Undav den Siegtreffer. Die gesamte Mannschaft sprintete zur Eckfahne, um mit ihm zu jubeln. „Die waren voll on fire“, sagte Nagelsmann. „Dass die ganze Mannschaft am Eck lag, war schon ein cooles Zeichen.“ Für ihn ein Symbol des Zusammenhalts und der Bedeutung dieses Tores.

Schweden 1974: Die Wende nach der DDR-Niederlage

Bei der Heim-WM 1974 war die Stimmung nach der 0:1-Niederlage gegen die DDR gekippt. „So nicht, Herr Schön“, titelte die „Bild“-Zeitung. Bundestrainer Helmut Schön reagierte mit vier personellen Veränderungen vor dem Spiel gegen Jugoslawien. Das Team gewann 2:0. Vier Tage später in Düsseldorf gegen Schweden gelang die atmosphärische Wende. Trotz eines 0:1-Rückstands drehte die Mannschaft das Spiel durch einen Doppelschlag in 100 Sekunden und einen Treffer von Jürgen Grabowski zum 4:2-Endstand. Der „Kicker“ prophezeite: „So stürmen wir sicher ins Endspiel!“ – und behielt recht.

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Polen 2006: Urknall des Sommermärchens

Im zweiten Gruppenspiel der Heim-WM 2006 gegen Polen schien es lange 0:0 zu enden. In der letzten Minute flankte David Odonkor, Oliver Neuville grätschte den Ball zum 1:0 über die Linie. Zwei Einwechselspieler entschieden das Spiel und lösten den Urknall des Sommermärchens aus. Der Jubel im Dortmunder Westfalenstadion war ohrenbetäubend. Dieser Sieg legitimierte die Arbeit von Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der drei Monate zuvor nach einem 1:4 gegen Italien noch in der Kritik stand. Nach Platz drei bei der WM bedauerten viele seinen Rücktritt.

Algerien 2014: Der Sieg gegen das Schönspieler-Image

Der WM-Triumph 2014 in Brasilien war kein Selbstläufer. Im Achtelfinale gegen Algerien geriet Deutschland in ein „schwarzes Loch“, so Per Mertesacker. Torhüter Manuel Neuer rettete mehrfach, das Team gewann 2:1 nach Verlängerung. Nach dem Spiel zeigte sich Mertesacker trotzig im ZDF-Interview: „Wat woll’n se? Jetzt lege ich mich erst mal drei Tage in die Eistonne, dann analysieren wir das Spiel.“ Dieser Trotz half der Mannschaft, ihr Image als Schönspielertruppe abzulegen. Im Viertelfinale besiegte sie Frankreich 1:0 durch ein Kopfballtor von Mats Hummels.

Schweden 2018: Wendepunkt, der keiner war

Bei der WM 2018 in Russland drehte Deutschland im zweiten Gruppenspiel gegen Schweden einen 0:1-Rückstand in ein 2:1. Toni Kroos traf in der Nachspielzeit. „Es war ein Sieg der Moral“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Thomas Müller sprach von einem „entscheidenden Wendepunkt“. Doch das nächste Spiel verloren die Deutschen 0:2 gegen Südkorea und schieden erstmals in der Vorrunde aus. Der kathartische Moment verpuffte.

Nagelsmanns These, dass späte Siege Kräfte freisetzen, bestätigt sich in der Geschichte nur teilweise. Während 1974 und 2006 die Emotionen zum Titel oder zumindest zu einem erfolgreichen Turnier führten, scheiterte 2018 die Mannschaft trotz des emotionalen Sieges. Ob der Sieg gegen die Elfenbeinküste ein echter Wendepunkt wird, bleibt abzuwarten.

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