SEZ-Erhalt in Berlin 233 Millionen teurer als Abriss
SEZ-Erhalt 233 Millionen teurer als Abriss

Der Erhalt des Sport- und Erholungszentrums (SEZ) in Berlin-Friedrichshain würde den Steuerzahler einer aktuellen Senatsberechnung zufolge 233 Millionen Euro mehr kosten als ein kompletter Abriss. Das teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Dienstag mit. Die Sanierung des maroden Gebäudes inklusive anschließendem Wohnungsbau sei demnach mit rund 410 Millionen Euro veranschlagt, während Abriss und Neubau von Wohnungen auf dem Gelände nur 177 Millionen Euro verschlingen würden.

Hintergrund der Kostenexplosion

Das SEZ, einst ein beliebtes Sportbad mit Sauna und Fitnessbereich, steht seit Jahren leer und ist stark sanierungsbedürftig. Ursprünglich war geplant, das Gebäude zu erhalten und in ein Wohnquartier zu integrieren. Doch die jüngste Kostenschätzung des Senats zeigt eine deutliche Differenz. „Die Sanierungskosten sind aufgrund des schlechten Bauzustands und der notwendigen Ertüchtigung der Bausubstanz enorm gestiegen“, erklärte ein Sprecher der Senatsverwaltung.

Die Abrissarbeiten am SEZ waren im Februar 2026 aus „artenschutzrechtlichen Gründen“ vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg gestoppt worden. Damals hatten Naturschützer darauf hingewiesen, dass geschützte Vogelarten im Gebäude nisten. Seither liegt das Verfahren auf Eis.

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Politische Debatte und Proteste

Die Zukunft des SEZ sorgt seit Monaten für hitzige Debatten. Während Befürworter des Erhalts auf den historischen Wert des Gebäudes und die Bedeutung für den Kiez verweisen, argumentiert der Senat mit den immensen Mehrkosten. „Wir müssen wirtschaftlich handeln und können nicht 233 Millionen Euro zusätzlich ausgeben, nur um eine Bauruine zu erhalten“, sagte ein Sprecher der Senatsfinanzverwaltung.

Gegner des Abrisses, darunter die Initiative „SEZ erhalten“, kritisieren die Berechnungen des Senats. „Die Zahlen sind geschönt und berücksichtigen nicht die langfristigen Vorteile eines Erhalts“, so ein Sprecher der Initiative. Sie fordern eine unabhängige Prüfung der Kosten und eine Bürgerbeteiligung.

Laut einer Umfrage des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg sprechen sich 58 Prozent der Anwohner für einen Erhalt des SEZ aus, während 32 Prozent einen Abriss befürworten. Die restlichen 10 Prozent sind unentschlossen.

Nächste Schritte und Entscheidungen

Der Senat will nun bis September 2026 eine endgültige Entscheidung treffen. Sollte der Abriss beschlossen werden, müssten zunächst die artenschutzrechtlichen Auflagen erfüllt werden. „Wir prüfen derzeit, wie wir die geschützten Vogelarten umsiedeln können“, sagte ein Sprecher des Bezirksamts. Die Kosten für die Umsiedlung werden auf rund 500.000 Euro geschätzt.

Sollte der Erhalt beschlossen werden, müsste das Land Berlin die Mehrkosten von 233 Millionen Euro stemmen. Die Finanzierung sei laut Senat noch nicht geklärt. „Wir müssten Mittel aus dem Landeshaushalt umschichten oder neue Kredite aufnehmen“, so ein Sprecher der Finanzverwaltung.

Die Debatte um das SEZ ist auch ein Symbol für den Umgang mit Baudenkmälern in Berlin. Während einige fordern, mehr Geld in den Erhalt zu stecken, pochen andere auf wirtschaftliche Vernunft. Die nächsten Monate werden zeigen, welche Seite sich durchsetzt.

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