Dynamo Dresdens Zweitliga-Check: Euphorie und Risiken vor dem Start
Dynamo Dresdens Zweitliga-Check: Euphorie und Risiken

Dynamo Dresden startet mit einem frühzeitig zusammengestellten und eingespielten Kader in die 2. Bundesliga. Sportdirektor Sören Gonther (39) hat die Mannschaft in Windeseile umgebaut und stabilisiert. Elf Tage vor dem Auftakt herrscht große Euphorie rund um den Ostklub, der nach einer herausragenden Rückserie als Halbserien-Vierter – nur einen Punkt hinter dem Neu-Bundesligisten Paderborn – auf dem richtigen Weg scheint. Doch neben den Chancen gibt es auch Risiken, die den Saisonverlauf gefährden könnten.

Vorbereitet wie seit einem Jahrzehnt nicht

Erstmals seit dem Aufstiegssommer 2016 ist der Kader so frühzeitig zusammengestellt und in der Tiefe qualitativ besser besetzt. Oft stolperte Dynamo in der Vergangenheit unvorbereitet in die Saison und hatte wichtige Positionen nicht besetzt. Sportchef Sören Gonther hat mit viel Fleiß und Engagement eine Top-Ausgangslage geschaffen. Dennoch hat der Ex-Profi noch einen Schuss frei: Sollte sich die SGD im Transferendspurt verstärken wollen, ist ein Flügelspieler noch eingeplant.

Dresden hat ein eingespieltes Team

Gonther gelang es, mit Innenverteidiger Thomas Keller, Mittelfeld-Motor Robert Wagner, Außenflitzer Ben Bobzien und Rechtsverteidiger Jonas Sterner vier Leihspieler fest zu verpflichten. Dadurch ist die Mannschaft bereits weit eingespielt. Trainer Thomas Stamm (43) genießt hohes Ansehen und sitzt fest im Sattel. Der akribische Schweizer kann mit seinem Team, das mittlerweile deutlich erfahrener in der 2. Liga ist, in Ruhe und mit Vorlauf arbeiten. Robert Wagner, als Eckpfeiler des Teams gehalten, ist ein zentraler Baustein.

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Zoff auf der Chefetage (erstmal) gebannt

Auch um die Vereinsführung ist es so ruhig wie selten bei Dynamo. Gonther hat mit Jan Seifert und Michael Born extremen Rückhalt im Aufsichtsrat. Zudem lobt der Sportboss seinen kaufmännischen Geschäftsführer Stephan Zimmermann (39): „Er macht schon deutlich länger als ich hier eine hervorragende Arbeit. Das ist jetzt die Basis, dass wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen können.“ Bisher sieht es so aus, dass der Aufsichtsrat seine internen Befindlichkeiten nicht mehr über die Geschäftsstelle austrägt – ein riesiger Plusfaktor, wenn es dabei bleibt.

Große Fallhöhe, schweres Auftaktprogramm

Die Erwartungshaltung ist durch die starke Rückrunde gestiegen, was die Fallhöhe erhöht. Die vier Auftaktpartien sind allesamt anspruchsvoll: auswärts in Nürnberg, zuhause gegen Darmstadt, in Heidenheim und daheim gegen Bochum. Gonther versucht, die Euphorie zu bremsen: „Wir wissen, wo wir herkommen und dass es ein Privileg ist, sich in der 2. Liga zu etablieren. Wenn man alles rosarot sieht, macht man die meisten Fehler. Daher wird das nicht passieren!“ Entscheidend ist, dass der Klassenerhalt kein Selbstläufer ist. Das 1:2 der vermeintlichen Startelf gegen Aufsteiger Cottbus im letzten Testspiel war ein erster Warnschuss.

Gefahr bei weiteren Fan-Vorfällen

Ein weiteres Risiko stellen mögliche negative Fan-Ausschreitungen dar. Sollten sich Vorfälle wie das Skandalspiel gegen Hertha BSC (0:1) wiederholen, drohen Sponsorenausfälle und Folgeschäden. Die Verantwortung der reisefreudigen und lautstarken Anhängerschaft für die Entwicklung des Klubs ist in dieser Saison besonders hoch.

Eigengewächse noch dauerhafter einbinden

Nach dem Abgang von Stefan Kutschke (37) wird es wichtig, eigene Talente auch in der 2. Liga dauerhaft einzusetzen – für die Klub-Identifikation und zur Generierung von Ablösesummen. Friedrich Müller (20, Marktwert 1 Mio. Euro) könnte im zweiten Jahr einen Satz machen. Doch die Beispiele von Tony Menzel (21, an Drittligist Essen verliehen) und Jonas Oehmichen (22), der nach seiner Rückkehr aus Aachen erst den Sprung in die Startelf schaffen muss, zeigen, dass dies nicht selbstverständlich ist. Die Weiterentwicklung von Eigengewächsen, an denen Dresden alle Transferrechte hat, sollte im Fokus bleiben.

BILD-Fazit: Bei gutem Start dürfte Dynamo Dresden bereit sein, um Platz sieben bis elf mitzuspielen. Bei zu früher Träumerei kann man jedoch in den Abstiegskampf rutschen.

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