Ein ehemaliger Profi des 1. FC Kaiserslautern sorgt derzeit bei der Weltmeisterschaft für Furore: Murat Yakin (51) hat als Trainer der Schweizer Nationalmannschaft einen historischen Erfolg erzielt. Durch einen 4:3-Sieg nach Elfmeterschießen gegen Kolumbien stehen die Eidgenossen erstmals seit der Heim-WM 1954 vor 72 Jahren wieder im Viertelfinale einer Weltmeisterschaft.
Ganz Fußball-Europa staunt über die Schweiz – und den Mann an der Seitenlinie. Was die jüngeren FCK-Fans vielleicht nicht wissen: Als Spieler stand Yakin früher auch für die Roten Teufel auf dem Rasen. Doch während er heute als Taktik-Genie gefeiert wird, war seine Zeit in der Pfalz eher ein Missverständnis.
Die Ankunft auf dem Betze: Ein Krimi
Schon die Ankunft auf dem Betze im Sommer 2000 war ein Krimi. Yakin, der zuvor für den VfB Stuttgart und Fenerbahçe Istanbul gespielt hatte, kam damals vom FC Basel. Der Wechsel zog sich monatelang hin, während um die Ablöse gefeilscht wurde. Die Erwartungen waren riesig: Der Schweizer Nationalspieler sollte beim FCK in riesige Fußstapfen treten und als neuer Abwehrchef die Lücke schließen, die Legende Miroslav Kadlec zwei Jahre zuvor hinterlassen hatte.
Der Plan ging schief: Nur 15 Pflichtspiele
Doch der Plan ging völlig schief. Yakin wurde nie der erhoffte Stabilisator, kämpfte mit Formschwäche und dem großen Druck. Insgesamt absolvierte der Innenverteidiger nur 15 Pflichtspiele für die Pfälzer, davon 9 in der Bundesliga, und erzielte kein Tor. Dann kam der endgültige K.o.: Ein schwerer Knorpelschaden im rechten Knie setzte Yakin lange außer Gefecht.
Während er sich mühsam durch das Aufbautraining quälte, passierte auf dem Platz das Undenkbare. Trainer Andreas Brehme (†63) baute die Abwehr um – und setzte plötzlich auf Mario Basler als Libero. Basler überzeugte in der neuen Rolle so sehr, dass für Yakin kein Platz mehr war. Nach nur gut acht Monaten war das Kapitel Yakin in Kaiserslautern beendet. Im März 2001 wurde sein Vertrag einvernehmlich aufgelöst. Der Schweizer flüchtete zurück in die Heimat zum FC Basel. In der Pfalz blieb er als teures Missverständnis in Erinnerung – eine kurze Zwischenstation ohne Happy End.
Vom Aussortierten zum Viertelfinal-Helden
Umso beeindruckender ist sein heutiger Triumph: vom Aussortierten beim FCK zum Viertelfinal-Helden der Weltmeisterschaft. Den Namen Yakin wird man in Kaiserslautern jetzt wieder ganz genau auf dem Schirm haben. Die Schweiz trifft im Viertelfinale auf einen noch nicht bekannten Gegner.



