Die Gelbe Karte gegen Frankreichs Offensiv-Ass Michael Olise aus dem WM-Achtelfinale gegen Paraguay (1:0) bleibt bestehen. Man habe am Morgen eine entsprechende Mitteilung der Fifa erhalten, sagte Trainer Didier Deschamps vor dem Viertelfinale der Fußball-WM gegen Marokko am Donnerstag (22.00 Uhr/ARD und MagentaTV) in Foxborough. Sollte Olise auch in diesem Spiel Gelb sehen, wäre er in einem möglichen Halbfinale gesperrt.
Olise hatte in der Nachspielzeit der hitzigen Partie gegen Paraguay eine unberechtigte Gelbe Karte gesehen. Der usbekische Schiedsrichter Ilgiz Tantashev war für seine gesamte Leistung am vergangenen Samstag in Philadelphia von mehreren Seiten scharf kritisiert worden. Mehrere Medien hatten berichtet, dass die Franzosen beim Weltverband Fifa eine Annullierung der Karte gegen Olise, den Profi des FC Bayern München, beantragt hatten.
Fall Balogun weckt Hoffnungen – doch Fifa bleibt hart
Womöglich hatte dem französischen Verband der höchst umstrittene Fall des US-Stürmers Folarin Balogun Hoffnung gemacht. Die Sperre des Angreifers, der im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) die Rote Karte gesehen hatte, war vom Weltverband zur Bewährung ausgesetzt worden. Der Entscheidung war ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Fifa-Boss Gianni Infantino vorausgegangen. Sie sorgte für reichlich Wirbel. Balogun durfte im Achtelfinale doch spielen, verlor in diesem mit den Amerikanern allerdings klar mit 1:4 gegen Belgien.
Im Gegensatz zu Balogun blieb Olise keine Gnade der Fifa. Der offensive Mittelfeldspieler des FC Bayern München geht somit vorbelastet in die Partie gegen Marokko. Sollte er dort erneut verwarnt werden, wäre er für ein mögliches Halbfinale gesperrt.
Trumps WM-Beauftragter legt gegen Schiri nach
Nach dem Skandal um die Rote Karte für einen US-Nationalspieler bei der Weltmeisterschaft hat der Fifa-Beauftragte des Weißen Hauses, Andrew Giuliani, Zweifel an der Seriosität des Schiedsrichters geäußert. Er finde es „höchst verdächtig“, dass gegen den Brasilianer Raphael Claus im Jahr 2024 bereits wegen falscher Roter Karten und Spielmanipulation ermittelt worden sei, zitierte der „Guardian“ den WM-Beauftragten.
Claus hatte den US-Stürmer Folarin Balogun beim 2:0-Erfolg im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina mit Rot vom Platz gestellt, damit wäre er für das Achtelfinale gegen Belgien gesperrt gewesen. Die Fifa setzte die Sperre aber überraschend zur Bewährung aus, nachdem US-Präsident Donald Trump eigenen Angaben zufolge mit einem Anruf bei der FIFA um eine Überprüfung der Sperre gebeten hatte, was einen Kritiksturm auslöste. Das Spiel gegen Belgien verloren die USA mit Balogun schließlich mit 1:4.
Auf den Einwand eines Reporters, Claus sei bei den einstigen Ermittlungen in Brasilien nur als Zeuge geladen gewesen und nicht selbst beschuldigt worden, sagte Giuliani: „Ihm wurden keine Vergehen vorgeworfen – das ist uns klar.“ Trotzdem sei die Situation mit den Ermittlungen von damals vergleichbar, behauptete er.
Nächste Belgien-Kontroverse: Ärger um Trainingsplatz
Belgiens Nationalmannschaft lässt sich bei der Fußball-WM von den Gastgebern weiter nichts gefallen. Nach dem 4:1-Sieg gegen das US-Team inmitten der Kontroverse um die aufgehobene Rot-Sperre von US-Torjäger Folarin Balogun reichten die Belgier erneut Beschwerde ein. Das ihnen zunächst für die Vorbereitung auf das Viertelfinale gegen Spanien zugewiesene Trainingsquartier entspreche „nicht den für unsere Trainingseinheiten erforderlichen Mindeststandards“, ließ der Nationalverband RBFA wissen.
Der Weltverband Fifa erlaubte den Belgiern daraufhin, statt wie zunächst geplant auf dem Gelände der Loyola-Marymount-Universität (LMU) beim MLS-Club Los Angeles Galaxy zu trainieren. Die Uni in der kalifornischen Metropole zeigte sich irritiert. „Unser Spielfeld ist in einem hervorragenden Zustand und wurde bereits von mehreren Profisportmannschaften genutzt – auch für diesen Sommer sind entsprechende Einsätze geplant“, teilte die LMU dem Portal „The Athletic“ mit.
Sperrstunde in der Schweiz zum WM-Viertelfinale teilweise aufgehoben
Die erste Viertelfinalteilnahme bei einer Fußball-Weltmeisterschaft seit 72 Jahren führt in der Schweiz zu außergewöhnlichen Maßnahmen. In Zürich, Basel und im gesamten Kanton Bern ist in der Nacht zum Sonntag die Sperrstunde aufgehoben. Am frühen Sonntagmorgen (3.00 Uhr MESZ) wird das Spiel gegen Titelverteidiger Argentinien in Kansas City angepfiffen. Zuletzt hatte die Schweiz bei der Heim-WM 1954 im Viertelfinale gestanden.
Auch in Chur dürfen Gastronomiebetriebe auf der Ausgangsmeile Welschdörfli das Spiel im Innenbereich zeigen. Die Kneipen dort müssen normalerweise um 3.00 Uhr morgens schließen. Alle anderen Betriebe, die normalerweise vorher schließen, können eine Sondergenehmigung beantragen. In Locarno im Tessin soll es zur ungewöhnlich frühen Stunde gar ein Public Viewing geben.



