Nach dem historischen WM-Debakel der deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay hat der frühere Nationalspieler Didi Hamann schwere Vorwürfe gegen Bundestrainer Julian Nagelsmann erhoben. Deutschland war im Sechzehntelfinale nach einem 1:1 in der Verlängerung im Elfmeterschießen mit 4:5 gescheitert – ein Tiefpunkt in der DFB-Geschichte. Für Hamann trägt vor allem Nagelsmann die Verantwortung.
Hamann: „Herz kommt von Teamspirit, unter diesem Trainer nie der Fall“
Als Experte des irischen Senders RTÉ Sport wurde Hamann nach dem Spiel deutlich. „Ich glaube, Herz kommt von Teamspirit, vom Zusammensein, vom Vertrauen, dass deine Teamkollegen da sind, wenn du sie brauchst. Ich habe das Gefühl, unter diesem Trainer war das nie der Fall“, so der 52-Jährige. Er kritisierte die durchwachsenen Auftritte des Teams: „Sie hatten ein paar Auftritte, die in Ordnung waren, aber im Durchschnitt waren die Auftritte enttäuschend. Es war so bei der EM, es war so bei der Qualifikation und es war so bei der Weltmeisterschaft. Sie reden immer über die Stimmung im Camp – es ist toll, das zu sagen, aber du musst es zeigen!“
Nagelsmanns angeblich mangelnde Spielbeobachtung
Hamann wurde noch grundsätzlicher: „Offensichtlich ist es der Trainer. Es ist der Job eines Trainers, die Jungs zusammenzubekommen. Das ist ein Typ, der selten Spiele schaut.“ Er verwies auf konkrete Beispiele: „Er war nicht einmal in Mailand, um Bisseck zu sehen. Einen Spieler, den er mit zur WM hätte nehmen sollen. Er war in zweieinhalb Jahren nie in Brentford, um Schade zu beobachten, einen Spieler, der letzte Saison zehn Tore erzielt hat. In der Bundesliga guckt er vielleicht ein, zwei Spiele im Monat.“
Vorwurf unzureichender Vorbereitung
Der frühere Nationalspieler warf Nagelsmann zudem mangelnde Vorbereitung auf die WM vor. „Es gab Champions-League-Spiele, wo Real Madrid spielt. Im Januar war der Afrika-Cup, wo er die Elfenbeinküste oder andere potenzielle Gegner hätte sehen können. Er ist nicht hingefahren. Bei der Klub-WM, wo in den Stadien gespielt wurde, hättest du die Umstände hier erfahren. Martinez (Roberto, Nationaltrainer Belgien) war hier, Tuchel (Thomas, Nationaltrainer England) war da, Deschamps (Didier, Nationaltrainer Frankreich), der Mitte 60 ist, war drei Wochen da. Wer ist nicht da? Unser Trainer.“
Vernichtendes Fazit: „Keine Sympathie“
Hamann zog ein vernichtendes Fazit: „Deswegen habe ich keine Sympathie für ihn. Ich glaube, er und das Team haben bekommen, was sie verdient haben.“ Nach dem historischen WM-Aus wächst damit auch die öffentliche Kritik am Bundestrainer immer weiter.



