Die italienische Hymne erklingt. Lewis Hamilton (41) schließt seine strahlenden Augen. Für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen. Dann kommen die Emotionen. Tränen. Freude. Erleichterung.
Der lang ersehnte Sieg
Lewis Hamilton hat es geschafft. Beim Grand Prix von Barcelona feiert der Rekordweltmeister seinen ersten Sieg für Ferrari. Es ist sein 106. Triumph in der Formel 1. Und vielleicht der emotionalste seiner gesamten Karriere. Denn dieser Erfolg ist weit mehr als nur ein weiterer Eintrag in den Geschichtsbüchern. Es ist die Erfüllung eines Lebenstraums.
„Als Kind habe ich mir vorgestellt, in einem Ferrari ein Rennen zu gewinnen“, sagt Hamilton nach dem Rennen mit leuchtenden Augen. „Jetzt ist dieser Traum wahr geworden.“
Hamilton strahlt wie ein kleiner Junge. Dabei war der Weg bis zu diesem Moment lang. Sein letzter Grand-Prix-Sieg lag fast zwei Jahre zurück. In Spa 2024 stand Hamilton zuletzt ganz oben. Die Zweifel wurden in den vergangenen Jahren immer lauter. Kann Hamilton überhaupt noch gewinnen? Barcelona gibt die Antwort. Mit einem perfekten Rennen, einer mutigen Strategie und einer Meisterleistung von Ferrari holt sich der Brite endlich den Moment, auf den er so lange gewartet hat.
Und ausgerechnet Barcelona macht diesen Triumph noch größer. Denn genau hier begann einst eine andere Ferrari-Legende.
Als Schumacher zum „Regengott“ wurde
Wieder Barcelona. Dieser Ort hat für Ferrari eine ganz besondere Bedeutung. Am 2. Juni 1996 schrieb Michael Schumacher (57) hier eines der größten Kapitel seiner Karriere. Es war erst sein siebtes Rennen für die Scuderia. Ferrari war damals weit entfernt von der Dominanz späterer Jahre. Niemand rechnete mit einem Sieg. Nicht einmal Schumacher selbst. „Wenn mich jemand gefragt hätte, was ich darauf wetten würde, hätte ich nicht einen Pfennig gesetzt“, sagte er später.
Doch dann kam dieser verregnete Sonntag. Schumacher fiel nach dem Start zunächst zurück. Die Kupplung machte Probleme. Doch was danach folgte, ging in die Formel-1-Geschichte ein. Der Deutsche pflügte durch den Regen. Er überholte einen Gegner nach dem anderen. Er fuhr teilweise drei Sekunden pro Runde schneller als die Konkurrenz. Unter schwierigsten Bedingungen machte Schumacher die gesamte Formel 1 lächerlich. Er übernahm die Führung – und gab sie nicht mehr ab. Dabei funktionierten an seinem Ferrari später sogar nur noch acht der zehn Zylinder. Trotzdem gewann er. Es war der erste Ferrari-Sieg eines Mannes, der später fünf WM-Titel in Folge für die Scuderia holen sollte.
Drei Jahrzehnte später erlebt Ferrari einen ähnlichen Gänsehaut-Moment. Wieder ist es Barcelona. Wieder ist es der erste Ferrari-Sieg. Hamilton kam nach Ferrari, um Geschichte zu schreiben. Nicht wenige glaubten, er sei zu alt. Nicht wenige glaubten, seine große Zeit sei vorbei. Doch jetzt steht er auf dem obersten Treppchen. Lewis Hamilton genießt einen Moment, den er nie vergessen wird. So wie Michael Schumacher vor ihm.
Barcelona war für Schumacher der Anfang einer Ferrari-Legende. Es könnte der Beginn eines neuen roten Kapitels in der Formel 1 sein.



