Filmkritik: Everytime – Tiefe Verunsicherung eines unfassbaren Verlusts
Everytime: Verunsicherung eines unfassbaren Verlusts

Der Dokumentarfilm „Everytime“ von Michael Karrer bringt die tiefe Verunsicherung eines unfassbaren Verlustes in den Kinosaal. Der Film erzählt von Menschen, die einen Amoklauf überlebt haben oder Angehörige von Opfern sind. Er zeigt, wie sie mit dem Trauma umgehen und wie die Erinnerung an das Geschehene ihr Leben prägt.

Ein Film über das Danach

Karrer begleitet seine Protagonisten über mehrere Jahre. Er zeigt ihren Alltag zwischen Therapie, Gedenkveranstaltungen und dem Versuch, wieder ein normales Leben zu führen. Dabei verzichtet er auf Kommentare und lässt die Bilder und Stimmen für sich sprechen. Die Kamera ist oft nah dran, aber nie aufdringlich. So entsteht ein intimes Porträt von Menschen, die lernen müssen, mit einem unvorstellbaren Schmerz zu leben.

Der Film wurde bereits auf mehreren Festivals gezeigt und erhielt viel Lob von Kritikern. Besonders die ruhige Erzählweise und die Empathie, mit der Karrer seine Protagonisten behandelt, wurden hervorgehoben. „Everytime“ ist kein Film, der Antworten gibt, sondern einer, der Fragen stellt – und genau das macht ihn so stark.

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Die Protagonisten und ihre Geschichten

Zu Wort kommen unter anderem eine Mutter, deren Tochter bei dem Amoklauf getötet wurde, und ein junger Mann, der den Angriff schwer verletzt überlebte. Sie berichten von Momenten der Angst, der Wut und der Hoffnungslosigkeit. Aber auch von kleinen Erfolgen, wenn sie zum Beispiel wieder in der Lage sind, das Haus zu verlassen oder sich anderen Menschen zu öffnen.

Ein zentraler Moment ist die Begegnung der Betroffenen mit einem Täter, der seine Tat bereut. Diese Konfrontation ist emotional aufwühlend und zeigt, wie schwierig Vergebung sein kann. Der Film macht deutlich, dass Heilung kein linearer Prozess ist, sondern von Rückschlägen geprägt sein kann.

Kunstvolle Inszenierung

Karrer arbeitet mit langen Einstellungen und einer reduzierten Tonspur. Oft hört man nur Atemgeräusche oder das Ticken einer Uhr. Diese Stille erzeugt eine beklemmende Atmosphäre, die den Zuschauer in die Gefühlswelt der Protagonisten eintauchen lässt. Die Bilder sind bewusst ruhig und zeigen oft Details wie Hände oder Gesichter, die viel über den inneren Zustand der Personen verraten.

Der Regisseur selbst sagt: „Ich wollte keinen Film über das Ereignis machen, sondern über das Danach. Über die Frage, wie man weiterlebt, wenn das Unfassbare passiert ist.“ Diese Herangehensweise macht „Everytime“ zu einem außergewöhnlichen Werk, das lange nachwirkt.

Ein Film, der unter die Haut geht

Wer „Everytime“ sieht, wird den Kinosaal nicht unberührt verlassen. Der Film konfrontiert mit existenziellen Fragen und zeigt, wie zerbrechlich das Leben sein kann. Gleichzeitig ist er aber auch ein Zeugnis von menschlicher Stärke und der Fähigkeit, mit dem Schlimmsten umzugehen.

Die Kritiken sind durchweg positiv. Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt: „Ein Meisterwerk der leisen Töne.“ Der Film läuft derzeit in ausgewählten Kinos und ist auch im Streaming erhältlich. Für alle, die sich auf dieses intensive Erlebnis einlassen möchten, ist „Everytime“ eine unbedingte Empfehlung.

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