IFAB räumt Fehler ein: VAR-Intervention bei Embolo unzulässig
Kansas City/Zürich – Das International Football Association Board (IFAB), die offiziellen Regelhüter des Weltfußballs, hat einen schwerwiegenden Fehler im WM-Viertelfinale zwischen Argentinien und der Schweiz eingeräumt. Betroffen war der Schweizer Stürmer Breel Embolo, der in der 64. Minute wegen angeblicher Simulation die Gelb-Rote Karte gesehen hatte. Wie ein dem Portal „The Athletic“ vorliegendes IFAB-Schreiben belegt, war die Entscheidung regelwidrig. Die Partie endete 3:1 nach Verlängerung für Argentinien, das durch diesen Fehler einen entscheidenden Vorteil erhielt.
VAR überschritt seine Befugnisse
Die Szene: Nach einem Zweikampf zwischen Embolo und Argentiniens Leandro Paredes ging der Schweizer im Strafraum zu Boden. Schiedsrichter Joao Pinheiro aus Portugal entschied auf Freistoß für die Schweiz und zeigte Paredes die Gelbe Karte. Der mexikanische Video-Assistent Guillermo Pacheco griff jedoch ein und forderte Pinheiro auf, die Situation am Monitor zu überprüfen. Daraufhin wandelte der Referee seine Entscheidung um: Statt Freistoß gab es nun Gelb-Rot gegen Embolo wegen einer Schwalbe. Exakt diese Überprüfung war jedoch laut IFAB nicht erlaubt.
„Der VAR hätte hier nicht eingreifen dürfen, da es sich um eine Tatsachenentscheidung handelte und keine Spielerverwechslung vorlag“, heißt es in der Stellungnahme der Regelhüter. „Die Gelbe Karte gegen Paredes war korrekt, ein VAR-Check war nicht vorgesehen.“ Die Regeländerung zur WM 2026 erlaubt dem Video-Assistenten lediglich, bei einer Gelben oder Roten Karte gegen den falschen Spieler einzuschreiten – nicht aber, um eine bereits gezeigte Gelbe Karte zu überprüfen oder gar zurückzunehmen.
Fataler Einfluss auf den Spielverlauf
Der Platzverweis für Embolo veränderte die Partie grundlegend. Die Schweiz hatte kurz zuvor durch Dan Ndoye den Ausgleich erzielt und war im Aufwind. Mit einem Spieler weniger musste das Team von Trainer Murat Yakin fortan defensiv agieren. Argentinien nutzte die Überzahl und erzielte in der Verlängerung zwei weitere Treffer, die den 3:1-Sieg und den Einzug ins Halbfinale besiegelten. Embolo verließ den Platz in Tränen.
„Es war ein entscheidender Fehler, der das Spiel unnötig beeinflusst hat“, kommentierte ein namentlich nicht genannter IFAB-Vertreter in dem Schreiben. „Wir bedauern die Situation zutiefst.“ Die FIFA selbst hat sich bislang nicht offiziell zu dem Vorfall geäußert. In Fußballkreisen wird nun eine erneute Debatte über die Rolle des VAR und die klaren Einsatzregeln geführt.
Regelhüter versprechen Konsequenzen
Das IFAB kündigte in dem Brief an, die VAR-Protokolle für zukünftige Turniere zu präzisieren und die Schulung der Video-Assistenten zu verbessern. Der konkrete Fall Embolo werde als Beispiel für unzulässige Eingriffe dokumentiert. Die Schweizer Mannschaft zeigte sich enttäuscht, aber auch gefasst: „Wir haben den Fehler akzeptiert, aber es ist wichtig, dass solche Vorfälle in Zukunft vermieden werden“, sagte ein Teamsprecher auf Nachfrage.
Die Debatte um die richtige Anwendung des VAR hält seit Einführung der Technologie an. Der jüngste Vorfall unterstreicht die Notwendigkeit klarer Richtlinien, um den Spielfluss nicht durch falsche Eingriffe zu stören. Für die Schweiz und Embolo kommt die Entschuldigung des IFAB jedoch zu spät – der WM-Traum ist geplatzt.



