Die italienische Fußball-Nationalmannschaft steckt in einer tiefen Krise. Nachdem Andrea Pirlo seine Kandidatur als Nationaltrainer zurückgezogen hat, droht nun auch Technischer Direktor Paolo Maldini mit dem sofortigen Rücktritt. Laut übereinstimmenden Medienberichten haben Maldini und sein Berater Leonardo dem Verbandspräsidenten Giovanni Malagò ihren Abschied erklärt – nur 16 Tage nach ihrem Amtsantritt am 11. Juli.
Pirlo-Rückzug löst Kettenreaktion aus
Der 47-jährige Weltmeister von 2006 hatte zuvor klargestellt, dass er nicht mehr für den Trainerposten zur Verfügung stehe. Grund dafür ist massive Kritik an seinen Russland-Kontakten: Pirlo trainiert den United FC Dubai, der dem russischen Milliardär Sergej Lomakin gehört, und ist globaler Markenbotschafter des russischen Wettanbieters Fonbet. Erst vor wenigen Wochen war er zu einer Autogrammstunde nach Moskau gereist, was angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine für Empörung sorgte.
Pirlo selbst äußerte sich auf Instagram: „Ich habe erfahren, dass ich nicht mehr als Kandidat für den Trainerposten im Gespräch bin. Die gesamte Debatte verfolge ich mit großer Bitterkeit.“ Eine offizielle Bestätigung des Verbandes gab es zunächst nicht.
Guardiola-Absage als Vorgeschichte
Ursprünglich hatte der italienische Verband auf Star-Trainer Pep Guardiola gesetzt, der jedoch absagte. Daraufhin machte sich Maldini für seinen ehemaligen Teamkollegen Pirlo stark. Der Verband und der 116-fache Nationalspieler sollen sich bereits auf einen Vierjahresvertrag bis zur WM 2030 geeinigt haben – doch die Russland-Kontakte ließen die Verhandlungen platzen.
Maldini und Leonardo waren als Hoffnungsträger geholt worden, um die Nationalmannschaft nach der verpassten WM-Teilnahme wieder aufzubauen. Italien hatte im Frühjahr zum dritten Mal in Folge die Qualifikation für die Weltmeisterschaft verpasst, was zur Entlassung von Trainer Gennaro Gattuso führte. Pirlo und Gattuso standen gemeinsam 2006 in der Weltmeistermannschaft.
Zukunft des italienischen Fußballs ungewiss
Mit dem möglichen Abgang von Maldini und Leonardo verliert der Verband zwei prominente Figuren, die für sportliche Kompetenz stehen sollten. Der viermalige Weltmeister Italien steht nun vor der Frage, wer die Mannschaft in die Zukunft führen soll. Pirlo selbst trainierte zuvor Juventus Turin und Sampdoria Genua – jedoch mit mäßigem Erfolg. Derzeit verdient er ein Millionengehalt in Dubai.
Die FIGC teilte bislang keine offiziellen Stellungnahmen mit. Die italienische Sportpresse spekuliert bereits über mögliche Nachfolger. Klar ist: Das Chaos um den Trainerposten und die Führungsriege könnte den ohnehin angeschlagenen italienischen Fußball weiter schwächen.



