In wenigen Tagen soll Deutschland wieder einen Bundestrainer haben – Jürgen Klopp wird nach übereinstimmenden Medienberichten noch diese Woche offiziell verkündet. Der Masterplan sieht eine Vorstellung in Frankfurt am Donnerstag oder Freitag vor. Vorausgesetzt, die vertraglichen Hürden zwischen dem DFB, Red Bull und Klopps Werbepartnern lassen sich rechtzeitig aus dem Weg räumen.
Klopps Rückkehr zur Final-Show
Nach dem enttäuschenden WM-Sommer der deutschen Nationalmannschaft war die Nachricht des Endspieltages zwischen Argentinien und Spanien die gefühlte Gewissheit: Klopp wird die Mission übernehmen, den deutschen Fußball wieder in die Weltspitze zu führen. Der 59-Jährige war zuletzt als Experte bei MagentaTV beim Finale in East Rutherford zugegen. In den ruhigen Tagen zuvor gab es keine offiziellen Wasserstandsmeldungen, doch hinter den Kulissen wurden die geschäftlichen Details geregelt.
Klopp selbst hatte per Instagram-Clip auf angebliche Aussagen über das englische Halbfinal-Scheitern reagiert und diese als erfunden bezeichnet. Ein angeblicher Geheimflug zu Gesprächen in Deutschland sorgte für Aufregung. Unter der Hand wurde bereits bestätigt, dass Klopp mit Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff gesprochen hat – vermutlich über die Auflösung seines Engagements als Head of Global Soccer.
Letzte Hürden: Aufsichtsrat und Verträge
In den kommenden Tagen steht eine finale Sitzung der Aufsichtsräte und Gesellschafter der DFB GmbH und Co. KG an, deren Zustimmung die Verbandsstatuten vorsehen. Die Funktionäre tagen üblicherweise digital, einberufen von DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Manchem in der DFB-Zentrale geht es dem Vernehmen nach nicht schnell genug mit der Verkündung.
Der DFB war beim Finale in New Jersey als Gast von FIFA-Boss Gianni Infantino nicht vertreten – auch Neuendorf als Mitglied des FIFA-Councils fehlte. Dies unterstreicht die derzeitige Abwesenheit des deutschen Fußballs auf der großen Bühne.
Nagelsmann und Kakerlaken: Die WM-Aufarbeitung
Die schnelle Ära von Julian Nagelsmann als Bundestrainer endete mit dem Zwischenrunden-K.o. gegen Paraguay. Ein Urlauberbild des Ex-Coaches mit seiner Frau auf Mallorca ist ein unscharfes Dokument der Aufarbeitung. Die Erzählung von Kakerlaken im DFB-Hotel in North Carolina überlagert die sportliche Analyse – dabei haben die Schädlinge am wenigsten zum Scheitern beigetragen. „Klopp und Kakerlaken“ – auf diese Alliteration lässt sich der Zustand des deutschen Fußballs reduzieren.
Klopp selbst hatte den Auftrag früh beschrieben: „Es geht um viel. Wer es auch immer machen wird, hat einen Haufen zu tun“, sagte er kurz nach dem Scheitern in Foxborough. Diese Formulierung klingt wie eine Absicherung – der Erfolgscoach weiß um das Wagnis.
Experten mit harten Worten
Jürgen Klinsmann, Macher des Sommermärchens 2006, und Philipp Lahm, letzter siegreicher WM-Kapitän von 2014, äußerten sich deutlich. „Wir sind jetzt absolut im Mittelmaß, ganz verloren irgendwo angekommen“, sagte Klinsmann bei Sport1. „Schämen“ müsse man sich. „Sie waren zu weich, sie waren nicht fähig, zu leiden oder auch mal die Ellbogen auszufahren und sich Respekt zu verschaffen“, so Klinsmann bei Sky.
Als Vorbild nannte er die Argentinier um Messi: „Vielleicht sind wir nicht die beste Mannschaft, aber wir sind bereit, bis an die Grenzen und darüber hinauszugehen und Spiele in den letzten Minuten zu entscheiden.“ Diesen Weg müsse auch die DFB-Auswahl wieder finden. „Ich wünsche es mir sehr, weil er ein Typ ist, der so einen Neuanfang starten kann, weil er die Energie hat, die positive Art, andere Leute mit ins Boot zu bringen“, erklärte Klinsmann über Klopp.
Lahms Auftrag an Klopp ist klar: „Für mich zählen Klarheit und Ordnung“, schrieb er in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Nagelsmann habe zu viele Experimente gemacht, zu viele Spieler auf falschen Positionen eingesetzt – Stichwort Joshua Kimmich als rechter Außenverteidiger. Statt „Sonderwege“ müsse man den Weltfußball im Blick haben. Das hatte Klopp bei seinem WM-Job immerhin schon.



