Ungarns neuer Ministerpräsident Péter Magyar plant, die Schachlegende Judit Polgár als Kandidatin für das Amt der Staatspräsidentin vorzuschlagen. Wie Magyar auf Facebook mitteilte, ist für Montag ein Treffen mit der 49-Jährigen geplant, bei dem er hoffe, dass sie ihm „die große Ehre“ erweise, die Nominierung anzunehmen. Der Posten ist vakant, nachdem Staatspräsident Tamas Suylok, ein politischer Verbündeter des im April abgewählten Rechtspopulisten Viktor Orbán, vom Parlament abgesetzt wurde. In Ungarn wird das Staatsoberhaupt vom Parlament gewählt.
Magyars Partei Tisza hat Zweidrittelmehrheit
Magyars Partei Tisza verfügt im Parlament über eine Zweidrittelmehrheit, was die Wahl Polgárs wahrscheinlich macht. Parallel zur Präsidentenfrage plant Magyar mit seiner Partei die Ausarbeitung einer komplett neuen Verfassung, die das erst 2011 von Orbán durchgesetzte „Grundgesetz“ ersetzen soll. „Mit diesen Entscheidungen geben wir dem ungarischen Volk etwas zurück, das das Orbán-Regime seit vielen Jahren zu nehmen versucht: die Gewissheit, dass Macht begrenzt, Gemeineigentum zurückgewonnen und der Staat wieder seinen Bürgern, den freien ungarischen Bürgern, dienen kann“, schrieb Magyar bei Facebook.
Judit Polgár: Die beste Schachspielerin der Geschichte
Judit Polgár gilt als die beste Schachspielerin der Geschichte. Die ungarische Großmeisterin erreichte als bislang einzige Frau die Top Ten der Weltrangliste. Ihre aktive sportliche Karriere beendete Polgár vor mehr als zehn Jahren, blieb aber weiterhin in der Schachförderung aktiv. Mit einer Stiftung setzt sie sich für Bildung und Chancengleichheit ein. Politische Ämter bekleidete sie bisher nicht. „Seit Jahrzehnten steht der Name Judit Polgár für Talent und Beharrlichkeit. Als erfolgreichste Schachspielerin der Geschichte führte sie 26 Jahre lang ununterbrochen die Weltrangliste der Frauen an und gehörte gleichzeitig zu den zehn besten Spielern der Weltrangliste“, schrieb Magyar. „Sie ist eine Ungarin, deren Leistungen ihr im In- und Ausland Respekt und Anerkennung eingebracht hat.“
Umbau des Staates nach Orbán-Ära
Magyar lässt das System seines autoritären Vorgängers Viktor Orbán umbauen. Der Staatspräsident soll entmachtet werden. Die neue Verfassung soll die Macht des Staatsoberhaupts beschränken und die Gewaltenteilung stärken. Polgár wäre die erste Frau im Amt des ungarischen Staatspräsidenten und würde eine symbolische Rolle einnehmen, da das Amt in Ungarn vor allem repräsentative Funktionen hat.



