Matthäus: Deutschland bei WM 2026 schlechter als 2018 und 2022
Matthäus: Deutschland bei WM 2026 schlechter als 2018 und 2022

Lothar Matthäus hat die Leistung der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2026 scharf kritisiert. Der Rekordnationalspieler und Weltmeister von 1990 bezeichnete das Abschneiden der DFB-Elf als noch schlechter als bei den Vorrunden-Aus 2018 und 2022. „Die Wahrheit ist: Deutschland war schlechter als beim Vorrunden-Aus 2018 und auch als 2022. Spielerisch war es die schlechteste der drei letzten Weltmeisterschaften“, schrieb Matthäus in einer Kolumne.

Matthäus: Italien größte Blamage, Deutschland gleich dahinter

Der 65-Jährige gratulierte zunächst Spanien zum Titelgewinn, das in allen Belangen die beste Mannschaft des Turniers gewesen sei. Als größte Enttäuschung nannte er Italien, das sich bei 48 Teilnehmern nicht qualifiziert hatte. „Aber Deutschland kommt gleich dahinter, weil sie es wieder mal nicht fertiggebracht haben, die Qualität, die in unseren Spielern steckt, auf den Platz zu bringen.“ Die Mannschaft habe weder gegen die Elfenbeinküste, Ecuador noch Paraguay überzeugt. Das einzige gute Spiel sei gegen Curaçao gewesen, das aber im ersten Aufeinandertreffen naiv agiert habe.

Matthäus sieht das Problem auch in der Mentalität: „Wenn man bedenkt, dass andere kämpferisch und läuferisch überlegen waren, dann ist das auch eine Frage von Mentalität und Einstellung.“ Er könne nicht begreifen, dass man mit diesen Spielern so früh nach Hause fahre.

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Vergleich mit 2022: Kein Fortschritt erkennbar

Der frühere Weltfußballer zog einen direkten Vergleich zur WM 2022 in Katar. Damals habe Deutschland in jedem Gruppenspiel viele Torchancen gehabt und sei punktgleich mit Spanien ausgeschieden. „Beim 1:1 gegen Spanien war unsere Mannschaft damals auf Augenhöhe, hätte sogar gewinnen können – und wäre dann nicht ausgeschieden.“ Elf Spieler des damaligen spanischen Kaders wurden nun Weltmeister. Im aktuellen deutschen Kader standen noch neun Profis, die 2022 dabei waren. „Fortschritt? Gleich null!“

Matthäus betonte, dass die Verantwortung nicht allein beim damaligen Bundestrainer Julian Nagelsmann liege. „Was in den vergangenen – mindestens – dreieinhalb Jahren im deutschen Fußball schiefgelaufen ist, muss jetzt schonungslos aufgearbeitet werden. Ich bin sicher, Jürgen Klopp als neuer Bundestrainer wird dafür sorgen.“

Kritik an Kommerzialisierung und Fifa

Matthäus übte auch scharfe Kritik an der Organisation der WM. Die „Trump-Infantino-Show“ sei ihm zu viel gewesen. Insbesondere die Rote Karte gegen den US-Stürmer Folarin Balogun, die nach einem Anruf von Donald Trump bei Fifa-Präsident Gianni Infantino ausgesetzt worden sei, sei „Verrat am Fairplay und am Fußball“.

Insgesamt störte ihn die „Amerikanisierung des Fußballs“ und die extreme Kommerzialisierung. Trinkpausen seien unnötig, insbesondere in klimatisierten Stadien, und dienten nur der Vermarktung. Auch die Halbzeit-Show beim Finale empfand er als unpassend und zu lang. Die Ticketpreise seien insgesamt zu hoch gewesen.

Positive Aspekte der WM

Trotz aller Kritik fand Matthäus auch lobende Worte. Die Fans hätten ihre Mannschaften zahlreich unterstützt, trotz hoher Kosten und weiter Reisen. Auch deutsche Fans seien in größerer Zahl als in Katar dabei gewesen. „Auch deswegen ist die Enttäuschung so groß.“

Fußballerisch habe es viele tolle Spiele gegeben, offensiv ausgerichtete Mannschaften und spektakuläre Aufholjagden. Große Spieler wie Messi, Mbappé, Rodri oder Haaland hätten begeistert. Überraschungsteams wie Kap Verde oder Kongo seien eine Bereicherung gewesen.

Zur Vergrößerung der WM auf 48 Teams sagte Matthäus, er sei anfangs skeptisch gewesen, aber ohne diese Reform hätte man die „Kleinen“ nicht erlebt. „Kleiner Scherz: Dann wäre auch Italien wieder sicher dabei.“

Ausblick: Potenzial ist da

Abschließend zeigte sich Matthäus versöhnlich: „Ich sehe unsere Spieler, bei welchen Top-Klubs sie erfolgreich spielen. Ich sehe unsere erfolgreichen Nachwuchs-Nationalmannschaften. Da ist viel Potenzial. Mir ist um die Zukunft des deutschen Fußballs nicht bange. Aber ich hoffe, dass endlich richtig gehandelt wird.“

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