Mikel Merino hat Spanien nach einem Geduldsspiel ins WM-Halbfinale gegen Frankreich geschossen. Beim 2:1 (1:1) im Viertelfinale gegen Belgien traf der eingewechselte Profi vom FC Arsenal in der 88. Minute zum Siegtor und sorgte für den ersten Einzug Spaniens in die Top-Vier seit dem WM-Titel vor 16 Jahren. Dabei profitierten Merino und der Europameister von einem Patzer von Senne Lammens, der in der Schlussphase den verletzten Stammkeeper Thibaut Courtois ersetzte.
Merino: „Überglücklich“ über erneuten Siegtreffer
„Überglücklich“ war der Matchwinner, dem schon im Achtelfinale gegen Portugal das Siegtor gelungen war. „Man gewöhnt sich langsam dran. Ich bin schon wieder reingekommen und habe kurz vor Schluss den Treffer erzielt, der entscheidend war“, sagte Merino mit einem breiten Grinsen. Bei der EM 2024 war er mit seinem Siegtreffer gegen die deutsche Nationalmannschaft zum DFB-Schrecken avanciert. „Jetzt kommt die nächste Aufgabe, die wir vor der Brust haben. Es sind noch zwei Spiele und dann hoffen wir, dass wir unseren Traum wahr werden lassen können“, sagte Merino.
Spaniens Siegtreffer nach Torwart-Drama
Im Los-Angeles-Stadion hatte Fabián Ruiz (30.) für Spanien das 1:0 erzielt. Belgien kam durch Charles De Ketelaere zum 1:1 (41.) und traf damit als erstes Team der XXL-Weltmeisterschaft gegen Torwart Unai Simon. Dessen Rekord-Serie ohne Gegentor endete damit nach 649 Minuten, für den Weltmeister von 2010 aber kommt es nun am 14. Juli in Dallas zum Kracher der Turnier-Favoriten gegen Frankreich.
Spaniens Trainer Luis de la Fuente setzte Pedri vor zahlreichen Promis wie den Schauspielern Brad Pitt, Penélope Cruz und Javier Bardem unter den 70.492 Zuschauern auf die Bank und brachte dafür Ruiz von Beginn an. Der Profi von Paris Saint-Germain dankte es mit dem Tor zum 1:0, als er aus etwa sieben Metern abstaubte. Courtois hatte zuvor einen Schuss von Dani Olmo nur abklatschen können und war dann beim Nachschuss chancenlos.
Belgien muss Startaufstellung Minuten vor Anpfiff umbauen
Spanien belohnte sich damit für die deutlich größeren Spielanteile, die besseren Chancen und den erdrückenden Ballbesitz gegen die Belgier, die schwer ins Turnier gefunden und erst beim 4:1 im Achtelfinale gegen Co-Gastgeber USA erstmals überzeugen konnten. Schon nach einer Viertelstunde hatte Spanien doppelt so viele Pässe gespielt wie Belgien, das kurzfristig den Ausfall von Youri Tielemans verkraften musste. Der 29 Jahre alte Mittelfeldspieler von Aston Villa hatte sich beim Aufwärmen verletzt und wurde durch Hans Vanaken vom FC Brügge ersetzt. Auch Kevin De Bruyne kam zurück ins Team, beim 4:1 gegen die USA war er gar nicht eingesetzt worden.
Den größten Einfluss aufs belgische Spiel aber hatte Jeremy Doku, der als dritte Veränderung in der Startelf immer wieder durch Dribblings für Stress in der bislang so sattelfesten spanischen Defensive sorgte. Auch beim Ausgleich hatte die belgische Nummer 11 dann ihre Füße im Spiel, über De Bruyne und Timothy Castagne landete der Ball schließlich bei De Ketelaere. Sein Kopfballtor beendete die gegentorlose Zeit von Simon nach 649 Minuten. Den WM-Rekord des Italieners Walter Zenga (517 Minuten) hatte der Spanier schon im Sechzehntelfinale gegen Österreich übernommen.
Großer Jubel bei Lukaku-Einwechslung
Spanien war auch nach dem Seitenwechsel die Mannschaft mit deutlich mehr Ballbesitz und guten Chancen wie etwa der von Lamine Yamal (52.), dessen Schuss nur um Zentimeter am kurzen Pfosten vorbeirauschte. Aber schon vor der lautstark gefeierten Einwechslung von Romelu Lukaku nach einer Stunde kam auch Belgien wieder und wieder gefährlich in den gegnerischen Strafraum. Maxim De Cuyper etwa jagte seinen Schuss nur um Zentimeter am kurzen Pfosten vorbei (55.).
In der 71. Minute musste Courtois in seinem 21. WM-Spiel mit Problemen am Oberschenkel ausgewechselt werden, er ist nach Manuel Neuer (23 Einsätze) der Torwart mit den meisten WM-Spielen. Für den Keeper von Real Madrid kam Lammens von Manchester United, dem seine Vorderleute trotz des weiter großen Drucks Spaniens lange jede Parade ersparten. Beim ersten gefährlichen Schuss aber patzte Lammens. Er konnte den Ball von Pau Cubarsi nicht festhalten – Merino staubte ab zum entscheidenden Tor.
Belgiens Trainer Garcia: „Man darf keine Fehler machen“
„Gegen so eine Mannschaft darf man keine Fehler machen. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, vor allem, als wir ausgeglichen hatten. Manchmal zählen die Details, es hat heute einfach nicht gereicht“, sagte Belgiens Chefcoach Rudi Garcia und beklagte die Verletzten: „Das war natürlich nicht vorteilhaft für uns.“



