Lionel Messi spielt in der Major League Soccer (MLS) und führt dennoch die Torjägerliste der Fußball-Weltmeisterschaft an. Mit acht Toren vor den Viertelfinals und sechs vorbereiteten Torchancen im Achtelfinale gegen Ägypten ist der 39-Jährige ein entscheidender Faktor für Argentinien. Doch ist er die große Ausnahme? Eine Analyse zeigt, dass Altstar-Ligen wie die MLS und die Saudi Pro League im Wandel sind – vom Karriereausklang zum möglichen Sprungbrett für Nationalspieler.
Kroos‘ Kritik und die Realität
Vor einigen Jahren löste Toni Kroos mit einem einzigen Wort eine Diskussion aus. „Peinlich“, schrieb der Ex-Weltmeister auf X, als der damals 21-jährige Spanier Gabri Veiga nach Saudi-Arabien wechselte. Kroos‘ Tenor: In solche Ligen wechselt man nur, um seine Karriere ausklingen zu lassen. Drei Jahre später spielt Veiga wieder in Europa, beim FC Porto, wo er in seiner ersten Saison 20-mal in der Startelf stand. Ein Länderspiel für Spanien hat er bislang nicht bestritten – nicht das, was er sich erhofft hatte.
Doch die Frage bleibt: Sind Wechsel in die Saudi Pro League oder MLS das Ende der Konkurrenzfähigkeit? Cristiano Ronaldo, der in Saudi-Arabien spielt, meint: „Ich habe überall gespielt. Für mich ist es einfacher, in Spanien Tore zu schießen als in Saudi-Arabien.“ Die Statistik zeigt jedoch ein differenziertes Bild.
Messi als Ausnahme oder Trendsetter?
In der Torjägerliste der WM finden sich neben Messi nur ein weiterer Spieler in den Top Ten, der nicht in Europa spielt: Julián Quiñones, Torschützenkönig der Saudi-Liga. In der Spitze sind Profis aus Altstar-Ligen also nur bedingt vertreten. In der Breite hingegen zeigt sich eine deutliche Veränderung. Aus der Saudi-Liga reisten über 40 Spieler zur WM, aus der MLS waren es 45. Beide Ligen sind mehr als nur eine Randnotiz.
Etlichen Spielern gelang der Einzug in die K.o.-Runde, doch im Achtelfinale war für Ronaldo, João Félix, Franck Kessié, Quiñones, Sadio Mané oder Fabinho Schluss. Im Viertelfinale spielen nur noch Marokkos Torwart Bono (Saudi-Arabien) und Messi eine tragende Rolle.
Konkurrenzfähigkeit und Hitzegewöhnung
Es gibt etliche Belege dafür, dass ein Wechsel in die Wüste oder die USA nicht automatisch das Ende der Nationalmannschaftskarriere bedeutet. Englands Trainer Thomas Tuchel nominierte Stürmer Ivan Toney für die WM, der vor zwei Jahren nach Saudi-Arabien wechselte. Toney begründet seine Nominierung auch mit der Hitze: „Ich spiele hier oft bei 30 Grad und mehr und habe mich daran gewöhnt.“ Bisher war die englische Mannschaft allerdings nicht von WM-Hitze betroffen.
Altstars als Entwicklungshelfer
Was sich in der Breite bereits verändert hat, muss noch in der Spitze ankommen. Dafür können Altstars wie Ronaldo und Messi eine Initialzündung sein. „Wir müssen den jungen Spielern zeigen, was es braucht“, sagte Karim Benzema, der in Saudi-Arabien spielt. „Dann können sie zu anderen Clubs wechseln.“ Diese Entwicklung könnte die MLS und die Saudi League vom Altstar-Liga zum Karriere-Sprungbrett machen.
Im Fall Veiga ist dies nicht gelungen. Finanziell profitierte er: In Saudi-Arabien soll er zehn Millionen Euro netto kassiert haben, beim FC Porto ist es ein Zehntel. Sportlich blieb der 24-Jährige jedoch hinter den Erwartungen zurück.



