Jamal Musiala (23) sitzt in Winston-Salem entspannt auf einer Parkbank auf dem Campus-Gelände der 1834 gegründeten „Wake Forest University“. Im BILD-Interview spricht der DFB-Star über sein Tor bei der 7:1-Gala der deutschen Nationalmannschaft gegen Curaçao. Außerdem verrät Musiala, woran er in der Zeit seiner schweren Verletzung gewachsen ist und welche Nachricht ihm Bayern-Legende Thomas Müller (36) vor dem WM-Auftakt schrieb. Musiala blickt auch auf das bevorstehende Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste voraus.
Das Tor gegen Curaçao und die Freude darüber
BILD: Herr Musiala, nach Ihrem Tor zum zwischenzeitlichen 4:1 gegen Curaçao strahlten Sie, als könnten Sie die ganze Welt umarmen. Was fühlten Sie nach diesem Treffer?
Jamal Musiala: Der Treffer tat auf jeden Fall richtig gut. Ich glaube, ich war nach meiner Verletzung noch nie so glücklich wie in diesem Moment – das war sicher eines meiner besten Spiele, seitdem ich zurück bin. Viele Sachen haben geklappt, ich habe mich frei und gut auf dem Platz gefühlt. Dieses Gefühl nehme ich mit.
Die schwere Verletzung und die Lehren daraus
Sie sprechen Ihre schwere Verletzung an, die Sie sich exakt vor einem Jahr in den USA bei der Klub-WM zugezogen haben. Wie sehr nerven Sie die Fragen und die Diskussion dazu, die Sie seither begleiten?
Ich weiß ja, dass das als Fußballer dazugehört. Der Weg zurück war mit viel Arbeit und Geduld verbunden: Das war teilweise anstrengend, ich bin aber überzeugt: Auch wenn es nicht immer einfach ist, muss man auf das Positive schauen. Auch, wenn das manchmal schwerfällt. Ich habe in diesem Jahr bestimmt am meisten gelernt. Nicht nur für den Fußball, ich bin auch als Mensch gewachsen. Ich weiß nun: Um nach so einer schweren Verletzung, wie ich sie erlebt habe, zurückzukommen, brauchst du Geduld. Der Schritt, den du danach gemacht hast, ist dafür ein umso größerer. So sehe ich es.
Umgang mit externen Meinungen und Fokus
In die WM 2022 gingen Sie als unbekümmerter DFB-Shootingstar. Nun, vier Jahre später, stehen Sie als Leistungsträger im Fokus. Bekommen Sie denn mit, wenn TV-Experten wie Jürgen Klopp und Thomas Müller mit Lothar Matthäus öffentlich streiten, wie viel Spielzeit Sie bekommen sollen?
Sie dürfen mir glauben: Ich sehe und lese davon nichts, was Experten sagen. Ich kann mir auch so gut vorstellen, was gesagt wird, ich bin ja nun schon eine Weile im Fußballgeschäft. Aber ich bleibe bewusst lieber weg von diesen Dingen, die über mich gesagt oder geschrieben werden. Ich fokussiere mich nur auf mich. Für mich ist das Wichtigste, dass mein Kopf immer frei ist. Nur dann kann ich mich auf dem Platz frisch fühlen. Das, was ich für meine Aufgaben auf dem Platz wissen muss, sagt mir dann Julian (Nagelsmann/d. Red.).
Thomas Müllers Nachricht vor dem Spiel
Ihr Ex-Teamkollege Thomas Müller hatte für den WM-Start Deniz Undav statt Ihnen für die erste Elf vorgeschlagen. Hat er sich denn mal persönlich bei Ihnen gemeldet?
Ja, Thomas hat mir eine Nachricht vor dem Curaçao-Spiel geschrieben und viel Glück gewünscht. Er gibt mir auch manchmal Tipps, aber das machen wir nur, wenn wir uns persönlich sehen.
Ausblick auf das Spiel gegen die Elfenbeinküste
Was nehmen Sie für das nächste Duell gegen die Elfenbeinküste aus dem 7:1-Knallstart mit?
Wir haben als ganze Mannschaft gut zusammengearbeitet. So ein Ausgleichstreffer zum 1:1 wie gegen Curaçao kann eine Mannschaft aus dem Konzept bringen und im Kopf verunsichern. Es gab in der Vergangenheit Spiele, bei denen uns das passiert ist, aber wir haben gegen Curaçao unser Spiel durchgezogen, unsere Aufgaben wie besprochen erledigt und uns den guten Start zum Turnier erarbeitet. Aber jetzt müssen wir den Fokus sofort auf das nächste Duell gegen die Elfenbeinküste richten.
Die hat zum Start 1:0 gegen Ecuador gewonnen und könnte der härteste Gruppengegner werden. Wie wird das Ihre Rolle im deutschen Spiel verändern?
Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, meine generelle Rolle in unserem Spiel wird ähnlich bleiben. Mit dem Unterschied, dass die Elfenbeinküste eine noch stärkere Offensive hat, da werde auch ich noch mehr defensiv arbeiten und viel Energie reinstecken müssen. Aber ich habe daran inzwischen immer mehr Freude: Den Ball zu erobern, macht auch richtig Spaß! Für vorne gilt: Wir müssen unsere Chancen reinmachen, wenn wir sie bekommen. Wenn wir so weiterzocken wie zuletzt gegen Curaçao, sollten wir uns genügend Chancen erarbeiten.



