Die umstrittenen spätabendlichen und nächtlichen Dopingkontrollen bei der Tour de France haben nun auch den deutschen Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe getroffen. Am späten Montagabend erschienen Kontrolleure beim Team und verlangten Proben von den Fahrern. Team-Manager Ralph Denk bestätigte den Vorgang im ZDF-Morgenmagazin und erklärte: „Auch wir sind heute Nacht besucht worden. Die Fahrer haben teils schon geschlafen und haben die Kontrollen mitgemacht.“ Die Kontrolle fand gegen 22 Uhr statt.
Verständnis trotz Regenerationshindernis
Denk räumte ein, dass die späte Kontrolle die Erholung der Fahrer beeinträchtige. „Es hindert natürlich schon die Regeneration“, betonte er. Dennoch signalisierte er Verständnis für die Maßnahme: „Primär haben wir eine schwarze Vergangenheit im Radsport und deshalb ist es gut, dass hier kontrolliert wird.“ Der Vorgesetzte von Hoffnungsträger Florian Lipowitz und dem Gesamtzweiten Remco Evenepoel fügte hinzu: „Dass tief in der Nacht kontrolliert wird, gibt das Reglement her. Es sorgt dafür, dass unser Sport sauber ist, dass er glaubhaft ist und deshalb gehört das auch dazu.“
Zeitpunkt vor entscheidendem Zeitfahren
Der Zeitpunkt der Kontrolle ist für das Team besonders ungünstig. Am Dienstag steht das einzige Einzelzeitfahren der diesjährigen Tour de France an. Olympiasieger Remco Evenepoel gilt als hoher Favorit auf den Tagessieg und will seine Ambitionen im Kampf um das Podium in Paris untermauern. Die nächtliche Störung könnte seine Vorbereitung beeinträchtigen.
Vorherige Kontrollen bei Pogacar und Vingegaard
Das deutsche Team ist nicht das erste, das bei der laufenden Tour zu später Stunde kontrolliert wurde. Bereits am Tag vor dem zweiten Ruhetag am Montag hatte das Thema für Aufsehen gesorgt. In der Nacht auf Sonntag waren sowohl Titelverteidiger Tadej Pogacar als auch der inzwischen mit einem Schlüsselbeinbruch ausgeschiedene Jonas Vingegaard aus dem Schlaf gerissen worden, um eine Probe abzugeben. Anschließend übten mehrere Tour-Teilnehmer offen Kritik an dem Vorgehen der Kontrolleure. Pogacar drückte sein grundsätzliches Verständnis aus, bezeichnete die Kontrollen nach der 15. Etappe am Sonntag aber auch als „inhuman“ und mutmaßte, dass der Schlafmangel zu Vingegaards folgenschwerem Sturz in den Alpen beigetragen haben könnte.
ITA verteidigt nächtliche Kontrollen
Die verantwortliche International Testing Agency (ITA) verteidigte in einer Stellungnahme ihr Vorgehen. Auch nächtliche Kontrollen seien für ein wirksames Anti-Doping-Programm notwendig. Sie dienten dem Schutz der Integrität des Radsports, hieß es in der Stellungnahme der Organisation.



