Die neuen WM-Regeln halten Einzug in die Bundesliga: Ab dem 1. Juli 2026 treten im gesamten deutschen Fußball mehrere Neuerungen in Kraft, die zuvor bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko getestet wurden. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und die Schiedsrichter-Experten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wollen die Erfahrungen des Turniers auswerten und dabei auch Erkenntnisse der Europäischen Fußball-Union (Uefa) berücksichtigen. Über weitergehende Regeländerungen entscheiden anschließend die Kommission Fußball der DFL und die Klubs.
Torwart-Countdown und Zeitstrafe bei Einwürfen
Eine der auffälligsten Neuerungen betrifft die Zeitnahme: Torhüter, die den Ball zu lange festhalten, bekommen künftig einen Countdown angezeigt. Auch bei Einwürfen und Abstößen kann der Schiedsrichter die letzten fünf Sekunden mit der Hand herunterzählen. Wird das Spiel bis dahin nicht fortgesetzt, wechselt der Ballbesitz zum Gegner. Diese Regel soll das Zeitspiel eindämmen und das Spiel flüssiger machen.
Auswechslungen und Verletzungsunterbrechungen
Bei Auswechslungen müssen sich die Teams beeilen: Zögern sie, spielen sie eine Minute in Unterzahl. Wird ein Spieler auf dem Platz behandelt oder das Spiel deshalb unterbrochen, muss er das Feld verlassen und darf erst nach einer Minute zurückkehren. Der langjährige Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich bezeichnet diese Regel als „weltklasse“. Sie zielt darauf ab, Zeitspiel durch simulierte Verletzungen zu verhindern. Ausgenommen sind Behandlungen nach Zusammenprällen, Kopfverletzungen oder Fouls, die eine Karte nach sich ziehen.
VAR überprüft zweite Gelbe Karten
Der Video-Assistent (VAR) darf bei der Weltmeisterschaft künftig auch die zweite Gelbe Karte eines Spielers überprüfen, wenn sie zu einem Platzverweis führt. Diese Kontrolle ist verpflichtend und wird daher auch in der 1. und 2. Bundesliga eingesetzt. „Das gibt's nicht!“, kommentierte Jürgen Klopp in einem Interview vor dem Ecuador-Spiel die Neuerung (Quelle: MagentaTV, 25.06.2026).
Weitere mögliche Änderungen: Hand vor dem Mund und Eckstoß-Überprüfung
Bei der WM können Spieler die Rote Karte sehen, wenn sie sich während einer Konfrontation mit einem Gegner beim Sprechen die Hand vor den Mund halten. Laut Fifa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina richtet sich diese Regel gezielt gegen mögliches diskriminierendes Verhalten in hitzigen Situationen. Zudem darf der VAR bei der WM auch Eckstöße überprüfen – eine Möglichkeit, die in der Bundesliga bislang nicht genutzt wurde.
Verschärfte Regel nach Afrika-Cup-Eklat
Die Fifa reagierte zudem auf den Eklat im Finale des Afrika-Cups: Verlassen Spieler aus Protest gegen eine Schiedsrichterentscheidung den Rasen, können sie jetzt mit der Roten Karte bestraft werden. Im Finale zwischen Marokko und Senegal (0:1) im Januar 2026 war die senegalesische Mannschaft nach einem umstrittenen Elfmeterpfiff in der Nachspielzeit fast geschlossen in der Kabine verschwunden. Stürmerstar Sadio Mané holte seine Kollegen auf das Feld zurück; dem Gästeteam wurde später der Titel aberkannt.
Keine Trinkpausen in Bundesliga und europäischen Wettbewerben
Anders als bei der Weltmeisterschaft werden in der 1. und 2. Bundesliga sowie in den europäischen Wettbewerben vorerst keine festen Trinkpausen eingeführt. DFL und Uefa wollen darüber weiterhin je nach Wetterlage situativ entscheiden. Bei der WM unterbrechen die Schiedsrichter jede Halbzeit nach etwa 22 Minuten für drei Minuten, um den Spielern eine Abkühlung zu ermöglichen.



