Die Debatte um Joshua Kimmichs Rolle im deutschen Mittelfeld ist zurück. Nach drei WM-Spielen zeigt sich, dass Aleksandar Pavlović nicht an seine starken Leistungen beim FC Bayern anknüpfen kann. Bundestrainer Julian Nagelsmann steht vor der schwierigen Entscheidung, ob er an seinem bisherigen System festhält oder Kimmich wieder ins defensive Mittelfeld zieht.
Pavlovićs enttäuschende WM-Leistung
Aleksandar Pavlović, der in der vergangenen Saison bei Bayern München mit einer Passquote von über 90 Prozent und einer Zweikampfquote von 47,7 Prozent überzeugte, kommt bei der Weltmeisterschaft nicht in Fahrt. Gegen Ecuador gewann der 22-Jährige lediglich drei von neun Zweikämpfen, gegen die Elfenbeinküste nur einen von vier am Boden. Ex-Nationalspieler Markus Babbel kritisierte: „Er ist noch überhaupt nicht ins Turnier reingekommen und spielt nicht so, wie man ihn von Bayern kennt. Er kriegt seine Stärken bei der WM noch gar nicht auf den Platz.“
Nagelsmann räumte ein, dass Pavlovićs Physis gegen robuste Gegner wie Ecuador oder die Elfenbeinküste nicht ausreicht. „Der direkte Infight ist schwer zu trainieren, weil sie halt den Körper haben, den sie haben. Bis Montag werden wir nichts auftrainieren können“, sagte der Bundestrainer. Dennoch hält er an seinem Mittelfeldduo fest: „Ich finde, dass Felix und Pavlo das sehr, sehr gut machen. Klar, Jo ist auch ein Top-Sechser, aber er ist auch ein Top-Aufbauspieler für uns da hinten.“
Kimmichs starke Statistiken als Rechtsverteidiger
Joshua Kimmich, der bei der Europameisterschaft 2024 laut Nagelsmann „der mit Abstand Beste auf seiner Position“ war, spielt bei dieser WM als Rechtsverteidiger. Seine Statistiken sind herausragend, und er gibt dem deutschen Spiel Struktur im Aufbau. Als er gegen Ecuador ausgewechselt wurde, fehlte diese Struktur sofort. Der eingewechselte Malick Thiaw konnte die Rolle nicht ausfüllen, und Deutschland verlor zunehmend die Kontrolle.
Auch Angelo Stiller überzeugte nach seiner Einwechslung nicht und lag nach Zweikämpfen oft auf dem Boden. Leon Goretzka bringt zwar die nötige Physis mit, ist unter Nagelsmann aber eher als offensivere Option eingeplant.
Fehlende Alternativen auf beiden Positionen
Die Realität zeigt, dass es weder für Kimmich noch für Pavlović adäquaten Ersatz auf ihren jeweiligen Positionen gibt. Nagelsmann hatte vor der WM eine Rückkehr Kimmichs ins defensive Mittelfeld nahezu ausgeschlossen. Auch wenn er in der Vergangenheit bereits Pläne über den Haufen geworfen hat, scheint ein Wechsel gegen Paraguay angesichts der Personalsituation kaum denkbar.
Pavlović selbst betont die gute Harmonie mit Felix Nmecha: „Es macht unglaublich viel Spaß, mit ihm auf dem Platz zu stehen, vor allem die Tiki-Taka-Kombinationen mit ihm.“ Beim 7:1-Erfolg über Curacao war dies deutlich zu sehen, in den anderen Gruppenspielen jedoch kaum.
Ausblick auf das Sechzehntelfinale gegen Paraguay
An diesem Montag trifft die deutsche Elf im Sechzehntelfinale auf Paraguay (22.30 Uhr, ZDF und MagentaTV). Paraguay gilt als offensiv schwächerer Gegner, der zudem tief stehen dürfte. Nagelsmann wird voraussichtlich an seiner bisherigen Aufstellung festhalten, da die Alternativen fehlen und Kimmich auf der rechten Verteidigerposition weiterhin überzeugt.
Die Diskussion um Kimmichs Position wird jedoch bleiben, solange Pavlović nicht zu seiner Bestform zurückfindet. Das Spiel gegen Paraguay könnte eine erste Bewährungsprobe für das Mittelfeldduo sein – und vielleicht die letzte Chance für Pavlović, sich zu beweisen.



