Die neue Premier-League-Saison steht vor der Tür – und mit ihr eine kontroverse Regeländerung. Wie die englische Liga am Montagabend bekanntgab, soll die Regel das Zeitspiel von Torhütern eindämmen. Konkret: Ist das Spiel wegen einer Torhüter-Verletzung unterbrochen, ist der Trainer der Mannschaft verpflichtet, einen Feldspieler zu benennen, der das Spielfeld verlässt. Dieser Spieler muss nach Wiederaufnahme des Spiels mindestens eine Minute lang außerhalb des Platzes bleiben. Verlässt innerhalb von zehn Sekunden nach der Spielunterbrechung kein Spieler das Feld, muss automatisch der Kapitän runter.
Hintergrund der neuen Regel: Kampf gegen Zeitspiel
Die Maßnahme klingt drastisch, soll aber verhindern, dass Torhüter gerade in engen Spielen Verletzungen vortäuschen, um Zeit zu schinden. Der Fall von Leeds-Trainer Daniel Farke, der vergangene Saison Gianluigi Donnarumma vorwarf, eine Verletzung vorgetäuscht zu haben, machte die Problematik deutlich. Die neue Regel läuft für die Saison 2026/27 zunächst als Pilotprojekt im gesamten professionellen Männer- und Frauenfußball in England.
In der offiziellen Bekanntgabe der Regel heißt es: „Der Versuch wird im gesamten professionellen Männer- und Frauenfußball in England umgesetzt und zielt darauf ab, Situationen zu regeln, in denen Torhüter-Verletzungen dazu genutzt werden, den Spielfluss zu stören, das Spiel zu verlangsamen oder Gelegenheiten für taktische Anweisungen zu schaffen.“
Ausnahmen und erster Einsatz
Die Testregelung sieht jedoch einige Ausnahmen vor. Muss der Torhüter infolge eines Fouls behandelt werden, gilt die Regel nicht. Ebenso wenig, wenn der Keeper mit einem Spieler (egal ob Mit- oder Gegenspieler) zusammenprallt oder blutet. Erstmals wird die Regel am Samstag im Liga-Pokal zwischen Tranmere Rovers und AFC Rochdale angewendet – dem ersten Pflichtspiel der englischen Saison. Auf der ganz großen Bühne tritt die Regel dann am 21. August in Erscheinung, wenn Meister Arsenal und Aufsteiger Coventry die neue Premier-League-Saison eröffnen.
Reaktionen und mögliche Folgen
Die Ankündigung hat gemischte Reaktionen hervorgerufen. Befürworter sehen darin einen längst überfälligen Schritt gegen Zeitspiel, während Kritiker die Regel als übermäßig hart und unfair für Torhüter bezeichnen, die tatsächlich verletzt sind. Die Liga wird die Pilotphase genau beobachten und die Regel gegebenenfalls anpassen. Sollte sich die Regel bewähren, könnte sie langfristig in den gesamten englischen Fußball übernommen werden.



