Der neue britische Premierminister Andy Burnham und der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter haben scharfe Kritik an den Plänen des Fußball-Weltverbandes geübt, einen Teil der kommerziellen Rechte an seinen Turnieren an Investoren zu verkaufen. Künftige Weltmeisterschaften sollen unter dem Dach eines neuen Unternehmens organisiert werden, dessen Mehrheitseigentümer die FIFA wäre. Private Geldgeber könnten rund 20 Prozent der Anteile der neu zu gründenden Tochtergesellschaft FFE erwerben, deren Wert auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt ist.
Burnham: „Fußball gehört den Menschen“
In einem auf Instagram veröffentlichten Video erklärte Burnham: „Der Fußball gehört nicht den Investoren. Er gehört den Menschen, die die Tribünen füllen, die an den Seitenlinien stehen, Woche für Woche, bei Regen und bei Sonne.“ Der Premier betonte: „Die WM ist kein Produkt, sie ist der großartigste Wettbewerb auf der Welt. Sie hat niemals jemandem gehört, damit man sie verkaufen kann. Der Fußball hat immer den Anhängern gehört, und er wird es auch immer.“
Blatter attackiert Infantino und Trump
Ex-FIFA-Chef Joseph Blatter nutzte die Plattform X, um seinen Nachfolger Gianni Infantino zu kritisieren. Der 90-jährige Schweizer schrieb: „Die enge Beziehung zwischen dem FIFA-Präsidenten und dem US-Präsidenten hat eine finanzielle Dimension angenommen, die dem Fußball erheblichen Schaden zufügt. Niemand hat das Recht, unseren Sport zu verkaufen.“ Zuvor hatte die britische Zeitung „Times“ berichtet, dass auch Personen aus dem Umfeld der US-Regierung von Präsident Donald Trump in die Pläne einbezogen worden seien.
UEFA: „Seele des Fußballs ist keine Handelsware“
Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hatte sich bereits kurz nach Bekanntwerden der Pläne ablehnend geäußert. In einer Stellungnahme hieß es: „Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Handelsware – erst recht nicht bei völliger Intransparenz darüber, wer finanziell davon profitiert. Niemand von uns ist Eigentümer des Fußballs. Er steht der FIFA nicht zum Verkauf.“
Der italienische UEFA-Vizepräsident Gabriele Gravina unterstrich gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa: „Wir gehen zu weit.“ Das über Jahre mühsam aufgebaute Gleichgewicht zwischen Fußball als Spektakel und Fußball als großer Volksleidenschaft laufe Gefahr, von einer gewinnorientierten Vision hinweggefegt zu werden. „Alle Konföderationen müssen entsprechend handeln“, forderte der frühere italienische Verbandschef.
Englischer Fußballverband überrascht
Der englische Fußball-Verband (FA) teilte dem britischen Sender BBC mit, er habe vor der Veröffentlichung der Pläne nichts davon gewusst. Die FIFA selbst betonte, sie würde Mehrheitsgesellschafter des neuen Unternehmens FFE bleiben und weiterhin die Kontrolle über den Spielkalender und das Regelwerk behalten. Zudem sollen alle 211 FIFA-Mitgliedsverbände kleinere Anteile erhalten, die sie entweder behalten oder verkaufen könnten. In der FFE werden die kommerziellen Rechte an den FIFA-Wettbewerben gebündelt, darunter die Männer- und Frauen-WM sowie die Club-WM.



