Erstmals seit dem vorläufigen Stopp der US-Angriffe auf Ziele im Iran haben Teherans Streitkräfte mehrere ballistische Raketen auf US-Truppen im Nahen Osten abgefeuert. Alle Geschosse seien abgefangen worden, teilte das US-Regionalkommando Centcom mit. Nach Informationen des US-Nachrichtenportals „Axios“ flogen die Raketen in Richtung eines US-Stützpunktes in Jordanien.
Erster iranischer Angriff ohne vorherige Attacke
Es sei das erste Mal, dass der Iran angegriffen habe, ohne zuvor von den USA oder Israel selbst attackiert worden zu sein, schrieb der Iran-Experte Hamidreza Azizi. Der Angriff könne ein Signal im Kontext des Besuches des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus am selben Tag gewesen sein, so Azizi. Demnach sei der Angriff als Warnung an die USA gedacht gewesen, sich keiner neuen militärischen Kampagne gegen den Iran anzuschließen. In Medienberichten hatte es vor Netanjahus Besuch geheißen, dieser könne US-Präsident Donald Trump um Zustimmung zu neuen Angriffen Israels im Iran bitten.
Die USA hatten zuvor bis auf Weiteres auf Angriffe im Iran verzichtet, um den laufenden Verhandlungen mit Teheran eine weitere Chance zu geben. Medienberichten zufolge könnten aber schwindende Munitionsreserven der USA der Grund dafür sein. Der „New York Times“ zufolge geht es dabei vor allem um Luftabwehr-Munition wie Patriot-Raketen.
Netanjahu und Selenskyj treffen Trump
US-Präsident Donald Trump lobte am Dienstagabend seine Gespräche mit Netanjahu sowie dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Zu dem Treffen mit Netanjahu schrieb der Republikaner: „Selbstverständlich wurden viele wichtige Themen besprochen.“ Die konkreten Gesprächsinhalte blieben aber unter Verschluss. Bei dem Treffen mit Selenskyj ging es um die Stärkung der ukrainischen Flugabwehr gegen russische Raketenangriffe. Trump soll der Ukraine die vielfach geforderten Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen zugesagt haben. „Er hat zugesagt, uns die Lizenzen zu erteilen“, sagte Selenskyj im Interview mit Fox News und bezeichnete das Treffen mit Trump als „sehr gut“.
Netanjahu und Selenskyj waren in die US-Hauptstadt gekommen, um an einer Trauerfeier für den gestorbenen US-Senator Lindsey Graham teilzunehmen. Graham war Mitte Juli im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Gefäßerkrankung gestorben. Trump fand in seiner Rede lobende Worte über seinen langjährigen Verbündeten. „Nirgendwo auf der Welt“ sei etwas ohne Grahams Meinung geschehen, sagte Trump und bezeichnete Graham als „einen geliebten Freund, einen treuen Bruder, einen hoch angesehenen Staatsmann“. Er fügte hinzu: „Es gab wirklich niemanden wie Lindsey Graham.“
US-Militär greift irakische „Terroristen“ an
Derweil griffen die US-Streitkräfte gemeinsam mit Saudi-Arabien im Irak „Terroristen“ an, die dem Iran nahestünden. Amerikanische und saudi-arabische Kampfflugzeuge hätten mehrere Logistik- und Waffenlager der nicht näher genannten Gruppierung im Osten des Iraks angegriffen, teilte Centcom mit. Dies sei eine Reaktion auf mehr als 30 von den iranischen Revolutionsgarden angeordnete Drohnenangriffe in den vergangenen 72 Stunden gewesen. Die Angriffe auf US-Streitkräfte seien „erfolglos“ gewesen.
Nach Einschätzung des Iran-Experten Azizi könnte der Iran bei seinem Angriff bewusst Raketen älterer Bauart eingesetzt haben, um nur ein Signal zu senden, ohne eine Eskalation herbeizuführen. Zugleich verdeutliche dies, dass der Iran eine Eskalation nicht scheue.
Neues Sanktionsgesetz gegen Russland
Am Abend hatten die Senatoren unterdessen erste Schritte zur Verabschiedung eines neuen, umfassenden Sanktionsgesetzes gegen Russland gemacht. Mit 86 zu 12 Stimmen votierten die Mitglieder der Kongresskammer für den Gesetzesvorschlag, den Graham maßgeblich vorangetrieben hatte. Der US-Präsident wird darin berechtigt, die größten Käufer von russischem Öl und Gas mit Sanktionen zu belegen – sowie Länder, die Russland am stärksten helfen, Energiesanktionen zu umgehen. Damit könnte das Gesetz die US-Handelsbeziehungen zu China und Indien weiter strapazieren. Medienberichten zufolge könnte es diese Woche im Senat verabschiedet werden, jedoch nicht vor September in Kraft treten, da das Repräsentantenhaus in den Ferien ist.
Selenskyj traf sich im Anschluss an die Gedenkveranstaltung mit mehr als 60 Senatoren beider Parteien. „Wir haben viele Themen besprochen, vor allem aber die ballistische Abwehr“, schrieb Selenskyj auf X. Die Patriot-Systeme sind für die Ukraine das einzige wirksame Mittel gegen Russlands ballistische Raketen. Schon im Frühjahr beklagte Selenskyj, dass sein Land kaum noch Munition dafür habe. Der US-Krieg gegen den Iran verknappte die weltweiten Bestände der Abwehrraketen weiter.



