Griechenland lockt Fachkräfte zurück: Steueranreize allein reichen nicht
Griechenland lockt Fachkräfte zurück: Steueranreize nicht entscheidend

Die griechische Regierung unternimmt enorme Anstrengungen, um gut ausgebildete Fachkräfte zurückzuholen, die während der Staatsschuldenkrise das Land verlassen haben. Mit Steueranreizen, Subventionen, Jobmessen und Werbekampagnen im Ausland soll der sogenannte Brain-Drain gestoppt werden. Doch entscheidend für die Heimkehr ist bei den meisten etwas ganz anderes: die Sehnsucht nach Heimat, Familie und der griechischen Lebensart.

Steueranreize und andere Lockmittel

Die griechische Regierung hat ein Bündel von Maßnahmen geschnürt, um Auswanderer zurückzulocken. Dazu gehören Steuererleichterungen für Rückkehrer, Zuschüsse zur Unternehmensgründung und spezielle Jobbörsen. Auch Werbeveranstaltungen im Ausland, etwa in Deutschland oder Großbritannien, sollen die Fachkräfte überzeugen. Nach offiziellen Angaben haben seit 2020 bereits mehrere Tausend Menschen das Angebot genutzt.

Besonders attraktiv ist das Programm für IT-Spezialisten, Ingenieure und Mediziner, die in Griechenland dringend gesucht werden. Die Regierung hofft, damit den Fachkräftemangel in Schlüsselbranchen zu lindern und die Wirtschaft anzukurbeln. Die Maßnahmen sind Teil einer Strategie, die das Land nach der Krise wieder wettbewerbsfähig machen soll.

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Der entscheidende Faktor: Heimatverbundenheit

Doch trotz aller finanziellen Anreize zeigt eine Umfrage des griechischen Statistikamts, dass die meisten Rückkehrer nicht wegen des Geldes kommen, sondern aus emotionalen Gründen. Rund 70 Prozent der Befragten gaben an, dass die Nähe zur Familie und die Verbundenheit mit der Heimat der Hauptgrund für ihre Rückkehr waren. Nur 30 Prozent nannten Steuervorteile oder bessere Jobchancen als ausschlaggebend.

„Ich habe in Deutschland gut verdient, aber mir hat die Familie gefehlt“, sagt ein 34-jähriger Ingenieur, der nach Athen zurückgekehrt ist. „Die Steueranreize waren ein Bonus, aber nicht der Grund.“ Ähnliche Aussagen kommen von vielen Rückkehrern, die die Lebensqualität in Griechenland schätzen – trotz der niedrigeren Gehälter.

Rückkehr trotz bürokratischer Hürden

Die Bürokratie bleibt jedoch eine große Herausforderung. Viele Rückkehrer berichten von langwierigen Verfahren bei der Anerkennung ihrer ausländischen Abschlüsse oder bei der Gründung eines eigenen Unternehmens. Die Regierung hat zwar Reformen angekündigt, aber die Umsetzung hakt noch. Dennoch steigt die Zahl der Rückkehrer kontinuierlich.

Laut der griechischen Zentralbank kamen allein im Jahr 2023 rund 15.000 Auswanderer zurück. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren. Experten gehen davon aus, dass der Trend anhalten wird, besonders wenn die Wirtschaft weiter wächst und die Bürokratie abgebaut wird.

Ein neues „Rebrain“ für Griechenland

Das Phänomen wird in Griechenland als „Rebrain“ bezeichnet – der umgekehrte Brain-Drain. Während der Krise hatten Hunderttausende das Land verlassen, vor allem junge Akademiker. Nun kehren sie zurück und bringen ihr im Ausland erworbenes Wissen mit. Das könnte für die griechische Wirtschaft ein entscheidender Schub sein.

Die Regierung will den Prozess weiter forcieren und plant zusätzliche Anreize, etwa bei der Kinderbetreuung und im Gesundheitswesen. Damit soll das Land für Familien attraktiver werden – denn das ist letztlich der stärkste Grund für eine Rückkehr.

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