Der Widerstand gegen Fifa-Präsident Gianni Infantino wächst: Europas Fußballfunktionäre ziehen laut einem Bericht von „Politico“ den PSG-Boss Nasser al-Khelaifi als Gegenkandidaten für die Wahl im kommenden Jahr in Betracht. Hintergrund sind Infantinos Pläne, die Weltmeisterschaft für Investoren zu öffnen. Bereits heute haben die 55 Mitgliedsverbände der Uefa zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengefunden, um eine gemeinsame Position zu beschließen.
Uefa beruft Dringlichkeitssitzung ein
Wie drei hochrangige internationale Fußballfunktionäre anonym gegenüber Medien bestätigten, wird der Katarer al-Khelaifi hinter verschlossenen Türen als ernstzunehmender Kandidat für das Amt des Fifa-Präsidenten gehandelt. Die Uefa hatte die 55 Mitgliedsverbände zu der Sondersitzung in Brüssel einberufen, nachdem Infantinos Investment-Pläne öffentlich geworden waren. Bei dem Treffen wurde eine einheitliche Haltung gefunden: Sollte Infantino nicht von seinen Plänen abrücken, drohen alle 55 Verbände mit einem Boykott sämtlicher Fifa-Wettbewerbe.
Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der Pläne hatte die Uefa deutliche Kritik geübt. In einem Statement hieß es: „Damit wird eine Grenze überschritten, die die Führungsgremien des Fußballs niemals überschreiten sollten.“ Die scharfe Reaktion des europäischen Fußballverbands zeigt, wie ernst die Lage für Infantino geworden ist.
Al-Khelaifi: Der mächtige Katarer
Nasser al-Khelaifi, 52, ist eine schillernde Figur des internationalen Fußballs. Der Katarer steht als Präsident an der Spitze von Paris Saint-Germain, leitet zugleich den Dachverband der europäischen Fußballvereine (ECA) und führt das globale Medienimperium beIN. Sein Einfluss reicht weit über den Sport hinaus und macht ihn zu einem potenziell schlagkräftigen Gegner Infantinos.
Doch ein Vertreter al-Khelaifis dementierte am Mittwoch jegliche Ambitionen: „Nasser hat absolut keinen Ehrgeiz, keine Absicht und kein Interesse an einem Amt bei der Fifa, und er wird auch weiterhin alle Institutionen des Welt- und europäischen Fußballs diskret unterstützen.“ Trotz dieser klaren Absage bleibt die Frage, ob der Druck aus Europas Verbänden ihn am Ende doch zu einer Kandidatur bewegen könnte.
Rückblick: Super League und die Rolle von PSG
Al-Khelaifi ist vielen Fußballfans vor allem als Gesicht des Scheich-Klubs PSG bekannt, das mit seinen Finanzmitteln die europäische Spitze herausfordert. Dass er jedoch auch als Verbündeter des etablierten Fußballs gilt, zeigte sich 2021: Als zwölf Topvereine aus Europas Ligen die Gründung einer Super League ankündigten, protestierten Fans in ganz Europa. Al-Khelaifi stellte sich mit PSG an die Seite der Uefa und trug maßgeblich dazu bei, das Vorhaben platzen zu lassen. Diese Loyalität dürfte ihm nun zugutegekommen sein.
Infantinos dritte Amtszeit in Gefahr?
Gianni Infantino, 56, strebt bei der Fifa-Präsidentschaftswahl im März nächsten Jahres seine dritte und letztmögliche Amtszeit an. Doch die europäischen Verbände, die traditionell eine starke Stimme im Weltfußball haben, signalisieren Geschlossenheit gegen seine Pläne. Sollte es tatsächlich zu einem Boykott kommen, wäre die WM – das prestigeträchtigste Sportereignis der Welt – in ihrer Existenz bedroht.
Die Dringlichkeitssitzung der Uefa markiert einen Wendepunkt: Nie zuvor haben sich alle 55 Mitgliedsverbände so einmütig gegen einen amtierenden Fifa-Präsidenten positioniert. Infantino steht vor der wohl größten Herausforderung seiner Amtszeit. Ob al-Khelaifi letztlich antreten wird, bleibt offen – doch die Diskussion zeigt, dass die Geduld der europäischen Fußballfamilie erschöpft ist.



