Die Schweiz hat nach einem Elfmeter-Krimi Mitfavorit Kolumbien aus dem Turnier geworfen und darf erstmals seit 1954 wieder im Viertelfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft antreten. Das 4:3 (0:0, 0:0) im Elfmeterschießen beschert dem Team um Kapitän Granit Xhaka das heiß ersehnte Duell mit Lionel Messi und dessen Argentiniern. Der ehemalige Augsburger Ruben Vargas verwandelte den entscheidenden Elfmeter.
Schweiz fordert Argentinien in Kansas City
Zuvor war in 120 Spielminuten und allen Nachspielzeiten vor 52.497 Zuschauern – darunter auch der designierte deutsche Bundestrainer Jürgen Klopp – kein Tor gefallen. Kolumbien mit dem erneut unauffälligen Bayern-Star Luis Diaz muss den erstmaligen WM-Triumph unerwartet früh abhaken und hat den zweiten Einzug ins Viertelfinale nach 2014 nach einem packenden Duell verpasst.
Am Sonntag (3.00 Uhr/MESZ) wird es in Kansas City damit zwar nicht zum Südamerika-Klassiker kommen. Dafür haben die Schweizer die Chance, erstmals überhaupt in ein Halbfinale einzuziehen. Argentinien geht aber als klarer Favorit in die Partie. Messi und Co. hatten zuvor ein 0:2 gegen Ägypten aufgeholt und mit 3:2 gewonnen.
Letzte Partie außerhalb der USA
Die Partie in Vancouver war die letzte von insgesamt 26 dieses Turniers, die außerhalb der USA stattfanden. Vom Viertelfinale Marokko gegen Frankreich an diesem Donnerstag wird das restliche Turnier nur noch in den USA ausgetragen. Der Weltmeister wird am 19. Juli in East Rutherford nahe New York gekrönt. FIFA-Präsident Gianni Infantino, der wegen des Skandals um die erlassene Sperre US-Profi Folarin Balogun schwer in der Kritik steht, posierte auf der Tribüne grinsend mit einer Ägypten-Fahne, die ihm zuvor gereicht wurde.
Die großen WM-Superstars wie Messi und Kylian Mbappé oder eine brisante Ansetzung wie Co-Gastgeber Mexiko gegen England bot die letzte Partie im Heimstadion von Ex-Weltmeister Thomas Müller zwar nicht. Dafür aber zwei Teams, die ihre jeweiligen Vorrundengruppen souverän gewonnen und bislang unbesiegt durch das XXL-Turnier in den USA, Mexiko und Kanada gekommen waren.
Kobel rettet gegen Puerta
Auf den Rängen dominierte in Vancouver nur eine Farbe: Gelb. Schon bei der Hymne sorgten die Fans mit ihrer Leidenschaft für eine ohrenbetäubende Atmosphäre. Beide Teams leisteten sich in der Anfangsphase wenig Fehler. Der Ex-Gladbacher Denis Zakaria und der aktuelle Gladbacher Nico Elvedi schränkten wirkungsvoll die Kreise von Bayerns Stürmerstar Luis Diaz ein.
Stattdessen kam Gustavo Puerta nach 21 Minuten zu einem ersten Abschluss. Den Schlenzer auf das lange Eck lenkte BVB-Schlussmann Gregor Kobel mit einer starken Reaktion ab. Die Schweizer, die auf den verletzten Jungstar Johan Manzambi verzichten mussten, kamen seltener in die gefährlichen Zonen. Der für Manzambi in die erste Elf gerückte Fabian Rieder versuchte es nach einer halben Stunde aus spitzem Winkel, der Abschluss war aber zu harmlos.
James Rodríguez bleibt blass
Zum wiederholten Male relativ wirkungslos trat Kolumbiens Fanliebling James Rodríguez auf. Der 34 Jahre alte Offensivspieler konnte Kolumbiens Spiel trotz zentraler Rolle im System von Nestor Lorenzo nie so prägen wie in früheren Jahren. Bei der WM 2014, dem zuvor einzigen WM-Viertelfinaleinzug der Cafeteros, hatte Rodríguez noch alle drei Tore der Kolumbianer in der K.-o.-Phase erzielt. Nach 66 Minuten war für den Routinier bereits Schluss.
Da war die Schweiz bereits besser in die zweite Halbzeit gekommen. Rieder zirkelte mit links (53.) einen Freistoß ans Außennetz. Für ein paar Minuten waren die zahlreichen kolumbianischen Fans etwas leiser. Wenn die Südamerikaner in aussichtsreiche Schusspositionen kamen, verzogen sie immer wieder.
Lucumi an die Latte
Lange zeichnete sich nicht ab, wer den Rasen als Sieger verlassen könnte. So ging es auch mit der von vielen Unterbrechungen geprägten Nullnummer in die Verlängerung. Dort hätte Davinson Sanchez (93.) nach einem Freistoß zum Helden der Cafeteros werden können, doch Kolumbiens Innenverteidiger verzog.
Das galt auch für seinen Kollegen Jhon Lucumi, der nach einer Ecke wuchtig an die Latte köpfte. Kolumbien drückte nun massiv auf die Führung und ließ dabei hinten eine Großchance zu, als der unmittelbar zuvor eingewechselte Zeki Amdouni an Torhüter Camillo Vargas scheiterte. Die Entscheidung musste nach 120 torlosen Minuten vom Punkt fallen. Zwar verschoss der Schweizer Manuel Akanji, doch die Kolumbianer verfehlten gleich zweimal.



