Die Schweiz steht vor dem Spiel der Spiele: Im WM-Viertelfinale trifft die Auswahl von Trainer Murat Yakin auf Titelverteidiger Argentinien und Superstar Lionel Messi. Die Eidgenossen wollen den König des Fußballs stürzen und erstmals ins Halbfinale einziehen. „Man hat gesehen, dass Argentinien in den letzten beiden Spielen auch verwundbar war“, sagte Yakin ohne Anflug von Ehrfurcht: „Also wir sind vorbereitet und es wird ein gigantisches Spiel für uns.“
Argentinien zuletzt wackelig – Schweiz mit Selbstvertrauen
Das Viertelfinale wird in der Nacht zu Sonntag um 3 Uhr MESZ (MagentaTV) im Football-Tempel der Kansas City Chiefs ausgetragen. Die Rollen sind klar verteilt: Ein Scheitern des Titelverteidigers mit dem bislang überragenden Messi wäre eine riesige Überraschung. Der erstmalige WM-Halbfinaleinzug der kleinen Schweiz wäre eine Sensation – und genau an die glauben die Eidgenossen. Ihr Selbstvertrauen speist sich nicht nur aus dem gewonnenen Achtelfinal-Drama im Elfmeterschießen gegen Kolumbien, sondern auch aus Argentiniens zuletzt nur knapp gewonnenen K.o.-Spielen gegen die Außenseiter Kap Verde und Ägypten. „Ich habe mir die Spiele der Argentinier von Anfang an angeschaut und auch geguckt, wie sie spielen“, sagte Yakin. Für eine Siegchance muss sein taktischer und personeller Matchplan – genau wie gegen Kolumbien – aufgehen. Darüber hinaus braucht es Leidenschaft, Wille, Glaube – und Spaß.
Xhaka: „Der Hunger ist so groß wie nie zuvor“
„Wir werden das Spiel genießen“, sagte Kapitän Granit Xhaka. Argentinien sei zwar ein „Riesenbrocken“ und habe in Messi einen der „besten Spieler des Planeten“ in den Reihen. Doch Xhaka betonte: „Der Hunger ist so groß wie nie zuvor.“ Die Schweiz erstmals seit der Heim-WM 1954 in ein Viertelfinale geführt zu haben, reicht dem Team nicht. „Wenn man eine noch größere Geschichte schreiben kann, muss man alles dafür geben“, so Xhaka. Der frühere Leverkusener war schon bei der WM 2014 dabei, als die Schweiz im Achtelfinale gegen Argentinien erst spät in der Verlängerung das Tor zum 0:1 durch Ángel Di María kassierte. Die Vorarbeit kam von Messi, den die Schweizer bis dahin gut im Griff hatten.
Abwehrchef Akanji als Messi-Bewacher
Diesmal liegt es vor allem an Abwehrchef Manuel Akanji, dass der WM-Rekordtorschütze Messi (21 Treffer) möglichst komplett ohne Geniestreich bleibt. Sollte er doch durchbrechen, will Torwart Gregor Kobel von Borussia Dortmund zur Verzweiflung bringen. Doch mit Defensive allein wird sich Argentinien nicht ausschalten lassen. Umso wichtiger wäre ein Einsatz des zuletzt am Knie verletzten Top-Torschützen Johan Manzambi. Yakin klang unmittelbar nach dem Kolumbien-Spiel nicht sehr optimistisch: „Bei Johan denke ich nicht, dass es von der Zeit her reicht.“ Manzambi, der laut Berichten kurz vor einem Wechsel vom SC Freiburg zu Newcastle United für 60 Millionen Euro steht, würde der Schweiz aufgrund seiner Schnelligkeit und Torgefahr im Umschaltspiel sehr fehlen.
Heimat träumt vom Titel – Ausgangssperre aufgehoben
Gleichwohl träumen in der Heimat schon einige vom Titel. Die Boulevardzeitung „Blick“ bat ihre Leser um Antworten auf die Frage: „Was machst du, wenn die Schweiz Weltmeister wird?“ In Zürich, Basel und im gesamten Kanton Bern ist zumindest in der Nacht zum Sonntag die Sperrstunde aufgehoben, damit die Fans in Bars feiern können. „Für eine Nation wie die Schweiz gibt es nichts Schöneres, als ein Viertelfinale gegen Argentinien zu spielen“, sagte Trainer Yakin. Für Angreifer Zeki Amdouni trifft das auf alle Fälle zu: „Ich werde gegen Messi spielen. Das war's, ich kann mit Fußball aufhören“, schrieb Amdouni in den sozialen Medien – natürlich scherzhaft gemeint. Die Schweiz will ins Halbfinale und glaubt an ihre Außenseiter-Chance. „Ich glaube, den Respekt haben wir uns erarbeitet und verschafft“, sagte Yakin.



