Soccer-Sommer in den USA: Hype, WM-Aus und MLS-Probleme
Soccer-Sommer in den USA: Hype, WM-Aus und MLS-Probleme

Rekordquoten, ein Hype um das Team und das abrupte Ende des amerikanischen Sommermärchens: Noch füllen sich von Miami bis Los Angeles die Bars trotz des frühen Ausscheidens der US-Mannschaft, doch in einer Woche ist das WM-Spektakel bereits Geschichte. Was bleibt im Land des American Football vom Soccer-Sommer? Was ist aus heutiger Sicht das Erbe der XXL-WM mit Blick auf den Nachwuchs, die Liga und die Infrastruktur?

Die Zukunft der MLS

Am Donnerstag geht die Saison in der heimischen Profiliga MLS weiter, in Robert Lewandowski kommt ein weiterer Altstar hinzu. Vor der WM profitierte die Liga von der anstehenden Endrunde, die Einschaltquoten stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 62 Prozent. Auch die US-Nationalmannschaft sorgte für Traumquoten, die beiden K.-o.-Spiele waren die meistgesehenen der Verbandsgeschichte.

„Das Wachstum, das wir in dieser Saison verzeichnen, spiegelt die Beständigkeit und die Dynamik wider, die die MLS in den letzten drei Jahren aufgebaut hat“, sagte Liga-Manager Camilo Durana. Mit AppleTV hat man einen gut zahlenden TV-Partner gefunden, der sein Engagement angeblich noch ausbauen möchte.

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Blickt man auf die Zuschauerzahlen der Liga, lässt sich eine gewisse Stagnation erkennen. Bis zur Saison 2023/24 verzeichnete man mit Ausnahme der Corona-Jahre stetiges Wachstum. Doch in der vergangenen Spielzeit fiel der Zuschauerschnitt, und auch in der ersten Hälfte der aktuellen Saison ist man noch nicht wieder auf dem Niveau von vor zwei Jahren.

Die Liga hat die WM immer als Beschleuniger für das eigene Wachstum verkauft. Das enttäuschende WM-Aus trifft deshalb auch die MLS. Das Portal „Sportico“ sprach von einem „Alptraum für die MLS“ und befand, dass eine kurzfristige Zunahme des Interesses an der Liga nur schwer vorstellbar sei.

Das Problem im Nachwuchs

Fußball in den USA ist nur etwas für Kinder wohlhabender Eltern – und damit entgeht ihm eine Vielzahl an Talenten: Diese These stellte der frühere Leverkusen- und Bayern-Profi Landon Donovan auf. „Nur zwei Prozent der Kinder im organisierten Fußball kommen aus Haushalten, die weniger als 50.000 Dollar im Jahr verdienen“, sagte Donovan. Für ihn war eine Karriere nur möglich, weil jemand dafür bezahlte. Seine alleinerziehende Mutter hätte sich das nicht leisten können.

Der Club-Beitrag im Jugendfußball kann in den USA bei bis zu 20.000 Dollar pro Jahr liegen. In einem Land, wo das große Geld in Sportarten wie Football, Basketball und Baseball verdient wird, hat der Fußball somit ein Problem.

Außerdem habe die Ausbildung laut Donovan den falschen Fokus. „Wir müssen Eltern und Trainern beibringen, dass ein Achtjähriger kein Spiel gewinnen muss. Hier ist man besessen vom Gewinnen, weil dich das ans College bringt. Aber das ist alles Mist. Der Jugendfußball in diesem Land ist ein Desaster.“ Auch die Trainer seien zu sehr aufs Gewinnen aus, um bessere Jobs zu bekommen.

Der Weg der Nationalmannschaft

Grundsätzlich möchte der US-Verband mit Trainer Mauricio Pochettino verlängern – direkt bis zur nächsten WM 2030. „Wir waren übereingekommen, diese Gespräche nach einer Phase der Erholung und Reflexion nach der Weltmeisterschaft fortzusetzen“, teilte der Verband mit. Seitdem herrscht Funkstille. Der Argentinier bügelte nach dem 1:4 im Achtelfinale gegen Belgien alle Fragen zur Zukunft ab. Es sei nicht der Moment, darüber zu sprechen.

Nüchtern betrachtet, ist die USA gegen zweitklassige Gegner furios in das Turnier gestartet und wurde von Belgien schließlich in die Realität zurückgeholt. „Wir hatten die Möglichkeit, etwas Besonderes zu schaffen. Wir haben versagt“, bilanzierte Mittelfeldspieler Tyler Adams.

Medien und Sponsoren versprachen sich einiges von dieser WM und dem US-Team. Praktisch direkt nach dem Aus glitt der Fokus wieder rüber zu den erfolgreicheren Frauen, und die Frage kam auf, warum die Männer nicht liefern.

Ein Problem ist auch die fehlende Identifikation. Während die Frauen in den USA in Clubs spielen und sehr präsent sind, verdienen die Führungsspieler von Pochettino ihr Geld in Europa statt in der MLS.

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Die Zukunft der Stadien

Das Erlebnis in den Arenen der WM war teilweise spektakulär. Gewaltige Anzeigetafeln von der Größe mehrerer Tennisplätze, klimatisierte Innenräume, Live-Musik und ein Promi-Faktor, den es noch bei keiner WM gab. Doch die Realität ist: In der MLS wird man kaum eines dieser Stadien wiedersehen.

Lediglich die Stadien in Atlanta, Foxborough und Seattle werden von US-Teams der nationalen Liga genutzt. Die weiteren Teams haben eigene, deutlich kleinere Arenen oder sind Mieter in einem Baseball-Stadion wie der New York City FC. Der Club eröffnet im nächsten Jahr sein eigenes Stadion – es soll laut Vereinsangaben das erste fußballspezifische Stadion in New York sein.

Das ist nicht unbedingt schlecht, vor allem wenn man die Zuschauerentwicklung der MLS in Betracht zieht. Die WM-Stadien wären dafür überdimensioniert und würden zu einer Kostenfalle werden. Außerdem wurden alle WM-Stadien in den USA ursprünglich für Football konzipiert, was allein schon aufgrund des größeren Fußball-Spielfeldes zu großen Herausforderungen führte.

Kleinere, moderne, speziell auf Fußball ausgerichtete Stadien sind deshalb ein positiver Faktor für die weitere Entwicklung. Sie lassen sich nicht nur wirtschaftlicher betreiben, sondern verleihen dem Sport eine eigene Identität.