Der Präsident des spanischen Fußballverbandes LaLiga, Javier Tebas, hat FIFA-Präsident Gianni Infantino scharf kritisiert und dessen jüngste Aussagen als „erbärmlich“ bezeichnet. Tebas reagierte damit auf Infantinos Rechtfertigung der umstrittenen, auf 48 Mannschaften aufgestockten Weltmeisterschaft in Amerika. In einem Beitrag auf X warf Tebas dem FIFA-Chef vor, Kritiker pauschal zu diskreditieren, anstatt auf ihre berechtigten Fragen einzugehen.
Tebas kritisiert Infantinos „erbärmliche“ Aussagen
Infantino hatte zuvor auf Instagram erklärt, viele Kritiker der WM hätten das Turnier verpasst, weil sie „von Hass erfüllt“ seien. „Unsere Welt braucht Liebe, keinen Hass. Toleranz, keine Spaltung“, schrieb der Schweizer. Er pries die WM als die „herausragendste FIFA-Weltmeisterschaft“ und hob den Fußball als Symbol für Einheit und Zusammenhalt hervor. Tebas konterte, niemand bestreite die verbindende Kraft des Fußballs. „Aber Transparenz, eine gute Führung und Rechenschaftspflicht sind niemals Hass, sondern eine Verpflichtung“, schrieb der LaLiga-Chef.
Forderung nach mehr Transparenz
Tebas forderte den Weltverband auf, mehr Rechenschaft abzulegen. Starke Institutionen würden diejenigen, die berechtigte Fragen stellten, nicht diskreditieren, sondern Antworten geben. Zugleich stellte Tebas die Frage, warum Infantino gerade jetzt einen derart scharfen Ton anschlage: „Geschieht etwas, das wir nicht wissen?“ Damit spielte er auf mögliche versteckte Gründe für die aggressive Reaktion des FIFA-Präsidenten an.
Bereits zuvor hatte Tebas in einem Interview mit der „Gazzetta dello Sport“ gefordert, Infantino solle zurücktreten, da er den Fußball zerstöre. Die Zeit des FIFA-Chefs sei „vorbei, er sollte nicht im Amt bleiben“, so Tebas. Allerdings räumte er ein, dass Infantino die Unterstützung des Systems und der Verbände genieße. „Das ist das System, und es ist ein System, das bereits an der Wurzel krank ist“, sagte Tebas.
Schweigen oder Komplizenschaft?
Rund um die Fußball-WM in Nordamerika habe er mit vielen Kritikern Infantinos gesprochen, berichtete Tebas. „Sie kritisieren das System bei einem Kaffee in der Bar oder am Telefon in privaten Gesprächen, aber anschließend tun sie nichts, um dem Ganzen ein Ende zu setzen“, sagte er. „Ich weiß nicht, ob Schweigen oder Komplizenschaft schlimmer ist, denn wer schweigt, ist sich des Schadens, den der Fußball erleidet, bewusst.“
Infantino selbst hält an seiner Linie fest und sieht in der Kritik an seiner Amtsführung und der XXL-WM unbegründete Anfeindungen. Die Debatte zeigt jedoch die tiefen Gräben zwischen dem FIFA-Präsidenten und einflussreichen Vertretern des europäischen Fußballs auf.



