Jürgen Klopp, Zinédine Zidane und Carlo Ancelotti – drei der erfolgreichsten Vereinstrainer der Welt haben neue Jobs angenommen. Sie alle sind nun Nationalcoaches. Der Trend zum Super-Promi auf der Trainerbank setzt sich fort. Während früher Spott wie Stefan Raabs Song „Böörti Böörti Vogts“ über Bundestrainer Berti Vogts üblich war, genießen die neuen Stars einen anderen Status.
Der Trend zu Startrainern
Klopp, Zidane und Ancelotti haben auf Vereinsebene alles gewonnen: nationale Meisterschaften und die Champions League. Sie umgibt eine Aura des Erfolgs. Bei Klopps offizieller Vorstellung als Bundestrainer trat er mit einer Selbstsicherheit auf, die viele in ihm als Heilsbringer sehen ließ. Ähnlich war es bei Zidane in Frankreich und Ancelotti in Brasilien, der die Seleção 2025 übernahm und nach dem Achtelfinal-Aus bei der WM weiter im Amt ist.
„Als ich Zinédine im Februar 2025 traf, sagte er zu mir: 'Präsident, ich weiß, wie man gewinnt'“, berichtete Frankreichs Verbandschef Philippe Diallo bei der Vorstellung des früheren Real-Madrid-Trainers. „Ich spürte jemanden, der den Antrieb und das Selbstvertrauen besaß, Les Bleus zum Sieg zu führen.“
Was unterscheidet den Nationalcoach?
Der Job als Nationaltrainer unterscheidet sich fundamental von der Vereinsarbeit. Statt eines ganzjährigen Trainingsalltags mit intensiver Taktikarbeit gibt es nur kurze Zusammenkünfte mit den Spielern. Der Fokus verschiebt sich vom Platz hin zu Beobachtung und Kommunikation. Fragen der Kaderauswahl und der taktischen Umsetzung werden zentral. So ist unklar, ob Klopp seinen anspruchsvollen Attacke-Fußball mit Pressing in der DFB-Elf etablieren kann oder ob er Abstriche machen muss.
Roberto Mancini, der am Dienstag als neuer italienischer Nationalcoach vorgestellt wurde, kennt das Geschäft bereits: 2021 führte er Italien zum EM-Titel. Für Klopp, Zidane und Ancelotti hingegen ist die Nationalmannschaft Neuland.
Zidanes Motivation und Aussichten
Zidane zeigt sich unbeeindruckt von den Herausforderungen. „Es gibt keine Fallstricke. Es unterscheidet sich von der Arbeit bei einem Verein, aber es macht mir keine Angst“, sagte der 54-Jährige. „Ich werde ein Gleichgewicht zwischen meinem Privatleben und der französischen Nationalmannschaft finden, und das passt perfekt für mich.“ Für ihn gehe mit dem Amt ein Traum in Erfüllung. „Ich habe in den vergangenen vier oder fünf Jahren Angebote erhalten, einen Verein zu übernehmen, aber ich habe sie alle zugunsten der französischen Nationalmannschaft abgelehnt. Das war das Einzige, was ich tun wollte.“
Gelingen die Missionen, zementieren die Trainer ihren Ruf als Legenden in ihren Heimatländern. Scheitern sie, kann ihr Denkmal Kratzer bekommen. Lothar Matthäus schrieb in einer Sky-Kolumne: „Trotz seiner Ausstrahlung, seiner Persönlichkeit und seiner Erfolge wird auch er an Ergebnissen gemessen.“
Bilanz und Ausblick
Der Trend zu Star-Trainern birgt Chancen und Risiken. Die Aura der Erfolgsgaranten kann Mannschaften beflügeln, aber der fehlende Trainingsalltag und der Druck der Ergebnisse sind echte Hürden. Die kommenden Turniere werden zeigen, ob Klopp, Zidane und Ancelotti ihre Vereinserfolge auf die Nationalmannschaft übertragen können.



