Jan-Lennard Struff schreibt Wimbledon-Geschichte mit erstem Achtelfinale
Struff erstmals im Wimbledon-Achtelfinale nach Medvedev-Sieg

Jan-Lennard Struff hat bei den Wimbledon Championships 2026 Geschichte geschrieben. Der 36-jährige Tennisprofi aus Deutschland zog zum ersten Mal in seiner Karriere ins Achtelfinale des traditionsreichen Rasenturniers ein. Mit einem souveränen 7:6, 7:6, 7:5-Sieg gegen den Weltranglistenneunten Daniil Medvedev (30) sorgte der gebürtige Warsteiner für eine der größten Überraschungen des diesjährigen Turniers.

Zweiter Rekord innerhalb von 24 Stunden

Bereits einen Tag zuvor hatte Struff für Aufsehen gesorgt: In seiner Zweitrundenpartie gegen den US-Amerikaner Brandon Nakashima (24) servierte er unglaubliche 45 Asse. Das ist die höchste Anzahl an Assen, die jemals ein deutscher Spieler in einem Match auf dem heiligen Rasen von Wimbledon erzielt hat. Mit diesem Rekord im Rücken ging Struff auch gegen Medvedev selbstbewusst ans Werk.

„Ich habe einfach mein Spiel durchgezogen und mich auf meine Aufschläge verlassen“, sagte Struff nach dem Match. „Gegen einen Spieler wie Medvedev musst du von Anfang an voll da sein, sonst wird es richtig schwer.“

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Nerven wie Drahtseile: Comeback nach Rückstand

Die Partie auf Court 3 verlief alles andere als einseitig. Struff gewann die ersten beiden Sätze jeweils im Tiebreak, wobei er vor allem im zweiten Durchgang eine beeindruckende Nervenstärke bewies. Im dritten Satz lag der Außenseiter dann sogar mit zwei Breaks zurück, Medvedev servierte beim Stand von 5:2 zum Satzgewinn. Doch Struff kämpfte sich bärenstark zurück, glich aus und nutzte seine Chance zum entscheidenden Break.

Der US-Open-Sieger von 2021 zeigte sich zunehmend frustriert über die starke Gegenwehr des Deutschen. Struffs Aufschlag war auch diesmal eine Waffe: Elf Asse reichten, um den Russen immer wieder unter Druck zu setzen. „Ich wusste, dass ich mich auf meinen Aufschlag verlassen kann, auch wenn es nicht ganz so viele Asse waren wie am Donnerstag“, scherzte Struff.

Der Weg ins Achtelfinale und die nächste Hürde

Für Struff ist der Einzug in die Runde der letzten 16 der größte Erfolg seiner Karriere bei einem Grand-Slam-Turnier. Zuvor war er in Wimbledon viermal in der dritten Runde gescheitert. Bei den French Open und den US Open hatte er ebenfalls das Achtelfinale erreicht, ein Viertelfinale blieb ihm bislang verwehrt. Nun hofft er auf eine weitere Überraschung.

Sein nächster Gegner steht noch nicht fest: Der Pole Hubert Hurkacz (29) und der US-Amerikaner Tommy Paul (29) ermitteln in ihrer Drittrundenpartie den Kontrahenten. Beide sind für ihre starken Aufschläge bekannt – eine Herausforderung, der sich Struff gerne stellt. „Ich nehme, was kommt. Hauptsache, ich bin im Achtelfinale“, sagte der Familienvater.

Rückkehr zu altem Erfolgstrainer zahlt sich aus

Ein Grund für die starke Leistung auf Rasen ist die Rückkehr von Ex-Trainer Carsten Arriens (57). Der erfahrene Coach hatte Struff bereits in früheren Jahren betreut und kehrte eigens für die Rasensaison zurück. „Carsten hat mir geholfen, mein Spiel wiederzufinden. Wir haben intensiv an der Taktik und der mentalen Stärke gearbeitet“, erklärte Struff.

Die Saison 2026 verlief für den früheren Weltranglisten-21. bislang eher enttäuschend. Bei 16 Turnieren scheiterte er neunmal in der ersten Runde, sechsmal in der zweiten und einmal in der Qualifikation. Sein bislang einziger Turniersieg gelang ihm 2024 bei den BMW Open in München. Nun erlebt er in Wimbledon seinen zweiten Frühling.

Ausblick: Kann Struff den Lauf fortsetzen?

Mit dem Erfolg gegen Medvedev wird Struff in der Weltrangliste deutlich klettern und nach Wimbledon voraussichtlich wieder in die Top 60 einziehen. Ob er den Lauf bis ins Viertelfinale oder sogar weiter fortsetzen kann, bleibt abzuwarten. Fest steht: Der 36-Jährige hat gezeigt, dass er auch gegen die absolute Weltspitze bestehen kann. Die deutschen Tennisfans dürfen gespannt sein, ob Struff am Sonntag erneut für eine Sensation sorgt.

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