Nach einem Jahr voller Schmerzen und harter Reha ist Antonio „Toni“ Tikvic zurück auf dem Platz. Der 22-jährige Innenverteidiger von Preußen Münster hat sich nach seinem Kreuzbandriss im rechten Knie zurückgekämpft und mischt beim Vorbereitungsstart am Sonntag voll mit. Während seine Teamkollegen Simon Scherder und Malik Batmaz noch individuell arbeiten, ist Tikvic wieder im Mannschaftstraining.
Der Tiefpunkt seiner Karriere
Am 2. August 2025 riss sich Tikvic in Karlsruhe (2:3) bei seiner Premiere im „Adlertrikot“ nach nur acht Spielminuten das vordere Kreuzband. Der Deutsch-Kroate (1,98 Meter, Marktwert: 700.000 Euro) war damals völlig frustriert: „Ich kann es gar nicht in Worte fassen, was mir gerade durch den Kopf geht. Die erste große Verletzung ausgerechnet jetzt, wo ich mir doch so viel vorgenommen habe.“
Seine Ziele hat das Abwehr-Talent, das vom FC Watford für 800.000 Euro nach Münster wechselte, nie aus den Augen verloren. Er musste sie nur vorübergehend auf Eis legen. Nun, zwölf Monate später, nimmt er sie erneut in Angriff.
Harte Arbeit in der Reha
Tikvic ackerte in den vergangenen Monaten wie ein Besessener für sein Comeback. Sogar in der Sommerpause gönnte er sich kaum Erholung – abgesehen von ein paar Tagen bei der Familie in Kroatien. Seine Begründung: „Ich habe einen klaren Karriereweg, der durch die Verletzung bereits ins Stocken geraten ist. Eigentlich wollte ich in meiner Entwicklung schon ein Stück weiter sein. Aber so ist der Fußball...“
Nach der Einheit zeigte er sich ehrlich: „Ich bin schon ein wenig stolz auf mich. Das ist der Lohn für die harte Schinderei in der Reha.“
Verschärfte Konkurrenz im Kader
Doch die Aufgabe hat sich im Vergleich zum Vorjahr verschärft. Aktuell ist Tikvic einer von sechs Innenverteidigern im Kader: Neben ihm stehen Torge Paetow (30), Niko Koulis (28), Simon Scherder (33) sowie die Neuzugänge Lucas Zeller (26) und Tim Dietrich (23) bereit. Fast jeder von ihnen hat Anspruch auf einen Stammplatz. Diese Konkurrenz treibt Tikvic zusätzlich an. Selbstbewusst sagt er: „Ich weiß, was ich kann und wohin ich möchte. Wenn ich bei 100 Prozent bin, brauche ich niemanden zu fürchten.“
Der Weg zurück zu 100 Prozent
Wie weit ist er noch von seiner Bestform entfernt? Tikvic überzeugt: „Nicht mehr sehr weit. Natürlich muss ich mich nach so langer Zeit erst einmal daran gewöhnen, wieder auf dem Rasen zu stehen. Aber das geht fix. Bis zum Auftakt sind's ja noch rund sechs Wochen.“
Die 3. Liga war in seinem Karriere-Plan eigentlich nicht vorgesehen. Er kam vor einem Jahr mit der Hoffnung, gemeinsam mit Preußen im Unterhaus Akzente zu setzen und sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Stattdessen musste er tatenlos mitansehen, wie die „Adlerträger“ ohne ihn dramatisch abstürzten und als Tabellenletzte abstiegen. Nun bietet sich die große Chance zu einem neuen Höhenflug.
Pech für Marvin Schulz
Während Tikvic auf dem Sprung ist, bleibt Offensiv-Routinier Marvin Schulz (31) das Pech treu. Seine Verletzung aus dem ersten Training stellte sich bei der MRT-Untersuchung als Innenbandanriss im linken Knie heraus. Der frisch gebackene Papa, der in der vergangenen Spielzeit rund drei Monate ausfiel, fällt voraussichtlich bis Ende Juli aus. Die Vorbereitung ist für ihn nahezu gelaufen.
Glück im Unglück hatte dagegen Niko Koulis. Auch der Abwehrspieler muss mit einer Sprunggelenkblessur bis Ende der Woche aussetzen, die er sich im Abschlussspiel zugezogen hatte. Nach kurzer Behandlung konnte er zunächst weitermachen, ehe der Knöchel dann immer dicker wurde.



