Für Tori Penso war die Schiedsrichterei lange nur eine Leidenschaft am Wochenende. Heute Abend (22.00 Uhr/ARD und MagentaTV) pfeift die 42-Jährige in New York das deutsche WM-Spiel gegen Ecuador. Der Weg dorthin begann mit dem Wunsch nach etwas mehr Taschengeld: Mit 12 oder 13 Jahren riet ihre Mutter ihr, als Schiedsrichterin bei Jugendspielen Geld zu verdienen.
Vom Taschengeld zur WM-Bühne
Der Auslöser für ihr Interesse war das WM-Finale 1999, als die US-Frauen China besiegten und Brandi Chastain nach ihrem verwandelten Elfmeter das Trikot auszog. „Es war das erste Mal, dass ich eine Frau als Athletin wahrgenommen habe. Es veränderte mein ganzes Weltbild“, sagte Penso. Mit dem verdienten Geld kaufte sie sich ihr erstes Auto. Die Schiedsrichterei lehrte sie, schnelle Entscheidungen zu treffen und vor schreienden Eltern auf dem Feld zu bestehen – Fähigkeiten, die sie bis heute nutzt.
Von Montag bis Freitag arbeitete Penso im Marketing einer Werbeagentur, an den Wochenenden leitete sie Spiele. „Es gab keine hauptberuflichen Schiedsrichterinnen in den USA. Deshalb hatte ich das nie als Beruf in Erwägung gezogen“, erinnerte sie sich. Erst ein olympisches Programm brachte sie im Schiedsrichterwesen beruflich voran. Privat lernte sie ihren späteren Mann Chris kennen – natürlich auch ein Schiedsrichter.
Karriereschub ab 2020
In diesem Jahrzehnt nahm Pensos Karriere Fahrt auf. 2020 leitete sie als erste Frau ein Spiel in der US-Profiliga MLS. 2023 wurde sie zur ersten Schiedsrichterin bei einem WM-Finale, als Spanien England besiegte. Die Nachricht überbrachte ihr Schiedsrichter-Legende Pierluigi Collina. „Ich schmolz dahin“, sagte Penso. Am vergangenen Donnerstag pfiff sie das Gruppenspiel zwischen Tschechien und Südafrika. Der frühere Schiedsrichter Frank Willenborg lobte im „Kicker“: „Sie hat sehr gute Feld-Entscheidungen getroffen und brauchte bei vielen Szenen den VAR nicht.“
Damit ist Penso die zweite Frau, die bei einer Männer-WM als Schiedsrichterin zum Einsatz kommt. Pionierin war die Französin Stéphanie Frappart, die 2022 in Katar das Spiel zwischen Deutschland und Costa Rica leitete. Nun ist Penso beim DFB-Spiel gefordert.



