Trainer-Kongress in Mainz: Scharfe Kritik an Infantino
Beim Internationalen Trainer-Kongress in Mainz sorgten am Mittwochmittag die angeblichen Pläne von FIFA-Boss Gianni Infantino für massive Empörung. Wie die englische Zeitung „The Times“ berichtet, erwägt der FIFA-Präsident, die Weltmeisterschaft zu privatisieren und Anteile am größten Fußball-Turnier der Welt zu verkaufen. In einer prominent besetzten Runde mit BVB-Berater Matthias Sammer, Union-Frauentrainerin Marie-Louise Eta, Darmstadt-Trainer Florian Kohfeldt und Stuttgart-Coach Sebastian Hoeneß machten die Trainer ihrem Ärger Luft.
Kohfeldt: „Vollkatastrophe“ und „zum Kotzen“
Florian Kohfeldt wurde dabei besonders deutlich: „Als Privatperson halte ich das für eine Vollkatastrophe. Mit der Kommerzialisierung rückt das Allerwichtigste, das Spiel, immer weiter weg. Auf diesem Weg werden wir einige verlieren.“ Und weiter: „Kommerzialisierung, Halbzeitshows, das ist populistisch, aber ich finde es zum Kotzen. Privatisierung hat uns gesamtgesellschaftlich nicht immer gutgetan.“
Hoeneß alarmiert: „Man wundert sich nicht mehr“
Auch Sebastian Hoeneß zeigte sich besorgt: „Das Schlimme ist, dass man darüber nicht mehr verwundert ist. Man wundert sich nicht, dass dieser Gedanke aufkommt.“ Seine Hoffnung: „Ich hoffe, dass die Leute, die in der Lage sind, was dagegen zu tun, auch alle Mittel ausschöpfen werden, das auch zu tun.“
Eta verliert den Glauben
Marie-Louise Eta sprach ebenfalls von einem großen Problem: „Wenn man das mitbekommt, geht einem tatsächlich auch ein bisschen der Glaube und der Spaß irgendwie verloren.“ Die Union-Trainerin betonte die emotionale Bindung zum Fußball, die durch solche Pläne gefährdet werde.
Sammer warnt vor Eingriff in die Integrität
Matthias Sammer äußerte sich differenziert: „Von diesen materiellen Dingen habe ich keine Ahnung. Ich weiß nicht genau, was das bedeutet. Infantino muss ja allen 204 Fußballverbänden gerecht werden. Vor der WM gab es einen großen Aufschrei, es gäbe zu viele Mannschaften. Aber man muss alle Nationen mitnehmen, das ist ein schmaler Grat, wie man da kleine Nationen unterstützen kann.“
Sammer weiter: „Die Gefahr ist, wenn man glaubt, dass man das immer weiter drehen muss. Wie als man bei der WM die Rote Karte von Balogun zurückgenommen hatte. Da greift man in die Integrität des Spiels ein. Wenn man da eingreift, oder das mit dem Geld und den Privatkonstellationen passieren sollte, dann wird das infrage gestellt, wofür der Fußball immer stand: Nämlich eine einigermaßen emotionale Glaubwürdigkeit. Damit pfeffert man gegen die Grundmauern des Fußballs. Ich plädiere dafür, dass so ein Mann irgendwie versucht, alles mitzunehmen – aber bitte nicht in die eigenen Taschen oder so, dass der Fußball darunter leidet.“
Der Plan: Neue Firma für WM und Klub-WM
Laut „The Times“ sieht der Plan vor, eine neue Firma zu gründen, die sowohl die Weltmeisterschaft als auch die Klub-Weltmeisterschaft kontrolliert. Pikant: An der Spitze dieses Unternehmens könnte nach Ablauf seiner letzten Amtszeit als FIFA-Präsident ausgerechnet Infantino stehen. Aller Voraussicht nach wird er im kommenden Jahr erneut bis 2031 gewählt.
UEFA schlägt Alarm
Bei der UEFA schrillen deshalb die Alarmglocken. Der europäische Fußballverband veröffentlichte eine deutliche Erklärung: „Damit wird eine Grenze überschritten, die die Führungsgremien des Fußballs niemals überschreiten sollten. Die UEFA nimmt dies äußerst ernst. Das sollte auch jeder nationale Fußballverband tun. Das sollte auch jeder Beteiligte tun: Ligen, Vereine, Spieler, Fans, Regierungen und alle, denen die Zukunft des Sports am Herzen liegt.“
Klar ist: Sollte Infantino tatsächlich eine Privatisierung der WM vorantreiben, dürfte der Widerstand im Fußball gewaltig werden. Jetzt schlagen auch die Trainer Alarm – und fordern ein entschlossenes Handeln aller Beteiligten.



