Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel hat mit deutlichen Worten auf die Aufhebung der Rot-Sperre für US-Angreifer Folarin Balogun bei der Fußball-Weltmeisterschaft reagiert. Der deutsche Coach zeigte sich irritiert über den Vorgang und stellte grundsätzliche Fragen zur Entscheidungsfindung.
Tuchel hinterfragt Prozess der Entscheidungsaufhebung
„Ich denke, um ganz klar zu sein, dass es keine Rote Karte war. Aber der VAR war involviert. Drei Leute vom VAR und der Referee haben es gecheckt und hatten die Meinung, dass es eine Rote Karte war. Es wurde also eine Entscheidung getroffen“, sagte Tuchel. Er fügte hinzu: „Wer kippt diese Entscheidung dann – und wann? Und auf welcher Grundlage? Wie weit geht das jetzt? Es ist einfach seltsam für mich. Wir wollen einfach Konsistenz in den Entscheidungen haben.“
Vergleich mit Gelben Karten und Trump-Einmischung
Nach dem 3:2-Sieg der Three Lions im WM-Achtelfinale gegen Mexiko äußerte Tuchel weitere Bedenken: „Legen wir jetzt Berufung ein, wenn eine Gelbe Karte keine Gelbe Karte ist?“ Man könnte nun endlos debattieren. „Wo fängt es an und wo hört es auf?“, fragte der 51-Jährige. Auf die Frage eines Journalisten, ob man US-Präsident Donald Trump fragen solle, antwortete Tuchel: „Vielleicht. Das ist ein guter Startpunkt.“
Hintergrund der Aufregung: Balogun hatte im WM-Sechzehntelfinale der USA gegen Bosnien-Herzegowina eine umstrittene Rote Karte erhalten. Wie „The Athletic“ und die Nachrichtenagentur AP übereinstimmend berichteten, soll US-Präsident Donald Trump persönlich bei FIFA-Chef Gianni Infantino angerufen haben, um sich für eine Aussetzung der Sperre des besten US-Torschützen für das Achtelfinale gegen Belgien einzusetzen. Mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen bestätigten den ungewöhnlichen Ablauf. Weder die FIFA noch das Weiße Haus haben die Informationen bislang kommentiert.



