Die UEFA hat die Pläne der FIFA zur Privatisierung der Weltmeisterschaft scharf attackiert. Wie die Zeitung „The Times“ berichtet, plant FIFA-Präsident Gianni Infantino (56), die WM und die Klub-WM in eine private Tochtergesellschaft auszugliedern und Anteile an Investoren zu verkaufen. Die UEFA erklärte dazu: „Damit wird eine Grenze überschritten, die die Führungsgremien des Fußballs niemals überschreiten sollten.“
UEFA: „Seele des Fußballs ist keine Handelsware“
In einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung kritisierte die UEFA das Vorhaben scharf. „Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Handelsgüter – insbesondere nicht, wenn keinerlei Transparenz darüber besteht, wer finanziell davon profitiert. Keiner von uns ist Eigentümer des Fußballs. Es steht der FIFA nicht zu, ihn zu verkaufen“, hieß es. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin (58) stellte sich damit gegen seinen FIFA-Kollegen Infantino.
Die FIFA hatte zuvor die Gründung der Tochtergesellschaft „FIFA Forward Enterprise“ (FFE) bekannt gegeben. In dem Unternehmen sollen die kommerziellen Aktivitäten und das Veranstaltungsgeschäft der FIFA gebündelt werden. Basis ist eine anfängliche Eigenkapitalbewertung von 20 Milliarden Dollar. Im Laufe dieses Jahres sollen durch Investoren bis zu 4,2 Milliarden Dollar beschafft werden.
Investoren aus Trumps Umfeld im Gespräch
Dem Bericht zufolge wurden bereits Personen aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump (80) kontaktiert. Infantino verbindet eine Freundschaft mit Trump. Joshua Kushner (41), der Bruder von Trump-Schwiegersohn Jared Kushner (45), gilt neben der Bank JP Morgan als potenzieller Hauptinvestor. Die Verteilung der Firmenanteile sieht vor, dass die FIFA einen Mehrheitsanteil behält. Anfangs könnten private Investoren 20 bis 30 Prozent erwerben. Rund 20 Prozent sind für die 211 Mitgliedsverbände der FIFA vorgesehen.
Jeder Verband würde Anteile im Wert von rund 20 Millionen Dollar (etwa 17,6 Millionen Euro) erhalten, die er auch an Investoren verkaufen könnte. Gerade für kleinere Verbände sei dies ein attraktives Angebot. Eine weitere mögliche Konsequenz: Da die FFE auf Profitmaximierung ausgerichtet wäre, könnten die WM und die Klub-WM häufiger als alle vier Jahre ausgetragen werden. Auch eine Ausweitung der Teilnehmerzahl wird bereits diskutiert.
Infantino winkt Gehaltssprung auf NFL-Niveau
Für Infantino selbst würde die Privatisierung finanziell äußerst lukrativ. Laut dem Bericht könnte sich sein Gehalt als Firmenchef auf dem Niveau von NFL-Boss Roger Goodell (67) einpendeln. Der Chef der US-Football-Liga kassiert geschätzte 64 Millionen Dollar (rund 56,3 Millionen Euro) pro Jahr. Infantino würde damit sein derzeitiges Gehalt fast verzehnfachen. Die UEFA forderte alle nationalen Verbände, Ligen, Vereine, Spieler, Fans und Regierungen auf, die Pläne kritisch zu prüfen: „Das sollte auch jeder Beteiligte tun, dem die Zukunft des Sports am Herzen liegt.“



